Michael Hartmann zählt in der Soziologie zu den eher seltenen Eliteforschern. Er ist von Elisabeth Niejahr und Mark Schieritz in der „Zeit“ (1.9.16) zur Ungleichheit und zu Gegenmaßnahmen dazu befragt worden.
Einleitend bemerkt Hartmann: „Ich habe mir Daten von mehreren Tausend Spitzenmanagern und von über tausend Milliardären der sechs wichtigsten Wirtschaftsnationen sehr genau angeschaut. Seitdem bin ich sicher, dass völlig falsch eingeschätzt wird, wie sesshaft und national geprägt die Eliten sind. …“
Zeit: Aber in den Luxusgeschäften von Moskau, Shanghai oder Rio finden Sie doch überall die gleichen Handtaschen und Designerkleider.
Hartmann: Richtig. Aber sobald die reichen Russinnen nach dem Shoppen wieder auf ihren Datschen residieren, leben sie ganz anders als reiche Chinesinnen oder Brasilianerinnen. Je genauer man auf die Privilegierten schaut, desto offensichtlicher sind die Unterschiede. Ein Chinese isst anders als ein Schwede, auch wenn er Milliarden besitzt. Britische Manager haben andere Hobbys als Franzosen.
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Zeit: Welche Hobbys pflegt die deutsche Elite?
Hartmann: Das kommt auf die Generation an. Früher war klassische Bildung für deutsche Spitzenmanager ganz charakteristisch. Ich habe vor gut zwanzig Jahren mal die Führung von Hoechst nach ihren Hobbys befragt. Drei von sieben Vorständen spielten konzertreif Instrumente. Heute ist Sport wichtiger. … Die Elite schickt die Kinder aufs staatliche Gymnasium, das allerdings gern einen altsprachlichen Zweig haben darf.
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Zeit: Wenn es also keine globalen Eliten gibt: Ist die Welt weniger ungerecht als vermutet?
Hartmann: Nein. Das wäre die falsche Schlussfolgerung. Die Eliten sind nur eben national organisiert. Das ändert aber nichts an der ungerechten Verteilung. In Deutschland und in fast allen anderen westlichen Ländern nimmt die Konzentration der Vermögen und Einkommen stetig zu und damit auch der Einfluss der Reichen. Die Gewerkschaften und andere Gegenkräfte haben an Einfluss verloren.
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Zeit: Wenn Sie drei Maßnahmen vorschlagen könnten, um die Ungleichheit zu verringern: Welche wären das?
Hartmann: Das ist einfach. Erstens: Steuern. Zweitens: Steuern. Drittens: Steuern.
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