Wer die Umfragewerte (einschließlich der Sonntagsfrage) der SPD betrachtet, versteht, dass die Partei versucht, alles zu tun, um von ihrer schlechten Position wegzukommen. Dabei hat sie ja in der großen Koalition viele ihrer Projekte durchgesetzt (Rente mit 63, die ich persönlich für falsch halte, Mindestlohn, Mietpreisbremse u.a.). Der Vorsitzende Gabriel hat seit seiner Wahl kaum Fehler begangen. Trotzdem betrachten viele Wähler die SPD anscheinend weithin als Juniorpartner und nicht zur Führung der Bundesregierung geeignet. So weit, so ungerecht.
Wenn nun allerdings Sigmar Gabriel angesichts der Not, in der sich der mecklenburg-vorpommersche Ministerpräsiden Erwin Sellering (ebenfalls SPD) kurz vor der Landtagswahl befindet, die Flüchtlingspolitik der Union kritisiert, wird es gefährlich: „Er scheut sich nicht, die Wahrheit zu sagen: dass die Union in der Flüchtlingspolitik große Fehler gemacht hat.“ Gabriel spielt sogar auf eine Flüchtlingsobergrenze an: „Die Union hat die Herausforderungen unterschätzt, und wir haben immer gesagt, es ist undenkbar, dass wir in Deutschland jedes Jahr eine Million Menschen aufnehmen.“ (leu, Die Welt 3.9.16)
Damit lenkt Gabriel Wasser auf die Mühlen der AfD. Ein ganz gefährliches Vorgehen. Ähnlich wie bei der CSU.