1. Nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 erschien das Buch des US-Psychologen Peter Langman „Amok im Kopf: Warum Schüler töten“. Der Amokläufer von München hatte es gelesen. Das Vorwort dazu schrieb der deutsche Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Er wurde von Alex Rühle für die SZ (25.7.16) befragt. Ich bringe hier nur Teile der Antworten Hurrelmanns.
2. „Traumatisierung bedeutet, dass der Täter ein schweres Schockerlebnis hatte, etwa indem er Opfer von Gewalt wurde oder massive Eingriffe in seine Autonomie erlebt hat, existentiellen Ängsten ausgesetzt war.
Die Schizovariante, das ist die gespaltene Persönlichkeit.
Und die psychopathologische, die Langman in den Vordergrund stellt, weil er sie für die häufigste hält, bedeutet, dass ein Mensch den Kontakt zu sich selbst, zu seinem Körper, seiner Psyche und auch zu seiner Umwelt völlig verliert, in einem Wahnraum lebt und sich für jemanden ganz anderen hält, als er ist.“
3. Alle Täter haben eine Persönlichkeitsstörung und beschaffen sich eine Waffe.
4. Alle Taten sind geschehen „auf der aktuellen Schwelle von Technologie und Kommunikation“.
5. „Alle Attentäter haben sehr genaue Analysen bisheriger Übergriffe gemacht und alles ganz genau rekonstruiert, um zu sehen, was sie davon als Modell für ihr eigenes Handeln herausgreifen können.“
6. „Alle Täter … waren oder sind zum Tatzeitpunkt in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung.“
7. „Von den Schul-Amokläufen sind mehr als 90 Prozent der Täter männlich. Das hat mit typisch männlichen Bearbeitungsstrategien von Störungen und Belastungen zu tun. Sie tragen sie nicht nach innen, sondern explosiv nach außen. Die Gewalt wird dann als Befreiungsschlag gegen die Umwelt erlebt – und gegen sich selbst. Denn meist töten die Täter am Ende sich selbst.“
8. Die Täter gewinnen in ihrer Wahrnehmung die totale Herrschaft über ihre Umwelt.
9. „Da kommen wir auch sehr schnell zu den Medien. Es ist beunruhigend, dass solch eine Tat sofort weltweit eine derartige Aufmerksamkeit erfährt, …“
10. „Zum ersten mal wurde eine wissenschaftliche Amok-Analyse beim Täter gefunden. Der hat das wohl als Anleitung gelesen. Was heißt das für uns? Dürfen wir unsere Analysen nur noch in geschlossenen wissenschaftlichen Zirkeln kreisen lassen, weil sie eventuell als Vorbild dienen könnten?“