1257: Berliner Fahrradkampf 2016

1. Eine Berliner Aktivisten-Initiative sammelt Unterschriften für einen Volksentscheid, der zum Ziel hat, dass eine Gleichberechtigung der Fortbewegungsweisen (Fußgänger, Fahrrad, Auto) erreicht wird.

2. Das ist eine Folge der veränderten Wahrnehmungsweise des Verkehrs hin zu mehr Umweltverträglichkeit.

3. Die Befürworter der Initiative sehen sich als Speerspitze eines gesunden, ökologisch verträglichen, dynamischen Lebens, das den Autoverkehr als Anachronismus erscheinen lässt. Sie sehen sich als bessere Menschen.

4. Es handelt sich in den Termini des marxistischen Theoretikers Antonio Gramsci um einen Kampf um kulturelle Hegemonie.

5. Weil angeblich die Stadtverwaltung nicht in der Lage ist, vernünftige Verkehrsbedingungen zu schaffen, muss man das selbst in die Hand nehmen.

6. Die Hauptleidtragenden sind die Nicht-Kombattanten, die Naiven und Eingeschüchterten, die es unter allen am Verkehr teilnehmenden Gruppen gibt.

7. Kombattanten sind die Autofahrer, die jede Abweichung von der bisherigen Auto-Dominanz als persönlichen Angriff auf ihre Selbstbestimmung interpretieren und aggressiv werden.

8. Die Kampfradler bezeichnen sich jetzt selbst als „Kampfradler“.

9. Manche Aktivisten schrecken nicht davor zurück, sich zur Durchsetzung ihres eigenen Verkehrsverständnisses selbst in Gefahr zu bringen.

10. Solange der Kampf nicht entschieden ist, ist die Lage für alle Beteiligten und Unbeteiligten riskant. Es wird mehr Unfälle unter Beteiligung von Fahrrädern geben. Konkret ist vorgesehen, bis 2025 jedes Jahr fünfzig Kilometer Nebenstraßen zu Fahrradstraßen umzugestalten mit einem mindestens fünf Meter breiten Fahrradweg in der Mitte und schmalen Spuren links und rechts davon für die Autos (Mark Siemons, FAS 12.6.16).

Ich nehme selbst in Göttingen als Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer am Verkehr teil, hauptsächlich als Fahrradfahrer. Hier haben die Grünen den m.E. nicht besonders tauglichen Vorschlag gemacht, dass wir Fahrradfahrer die Autofahrbahn auch dann benutzen sollen, wenn ein Fahrradweg vorhanden ist. Ich habe dadurch allerdings noch keine schwerwiegende Verkehrsbehinderung beobachtet.

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