Der Kasseler Germanistik-Doktorand Matthias Weßel hat 2015 das deutschsprachige Ur-Skript von
Arthur Koestlers (1905-1983)
„Sonnenfinsternis“ (1940)
in der Universität Zürich wiederentdeckt. Es ist ein Manifest des linken Antikommunismus. Gespeist aus Koestlers Erfahrungen mit dem Zionismus, der KPD, dem spanischen Bürgerkrieg und vor allem mit dem stalinistischen Terror. Es geht darin um den Revolutionsveteranen
Rubaschow,
der von seiner eigenen Partei als Verräter nach quälend langen Verhören zum Tode verurteilt und hingerichtet wird. Das Original-Skript trägt in der Züricher Bestandsliste den Titel „Rubaschow. Unveröffentlichtes Manuskript. März 1940“. Es erschien in einer Übersetzung von Koestlers Freundin zunächst auf Englisch und wurde von Koestler selbst ins Deutsche zurückübersetzt, weil das Original in den Wirren der dreißiger und vierziger Jahre verlorengegangen zu sein schien (Tobias Rüther, FAS 24.4.16).
Der hochbefähigte Arthur Koestler (1905-1983), der ungarisch, deutsch, englisch und französisch fließend sprach und auch des Russischen und des Iwrith (Neu-Hebräisch) mächtig war, hatte ein abenteurliches Leben geführt (Budapest, Wien, Palästina, Berlin, Spanien, Großbritannien). Seine erste Abrechnung mit dem Kommunismus erfolgte im
„Spanischen Tagebuch“ (1937).
Es folgten noch „Der Yogi und der Kommissar“ (1945) und das atheistische Manifest „Gottes Thron steht leer“ (1951). Später driftete Koestler in die Esoterik-Szene ab und wurde zu einer Ikone der Suizid-Bewegung. 1983 nahme er sich gemeinsam mit seiner dritten Frau das Leben.
Inhaltlich verbunden war Koestler mit Autoren wie
Aldous Huxley (1894-1963, „Schöne neue Welt“ 1932),
George Orwell (1903-1950, „Mein Katalonien“ 1938, „Farm der Tiere“ 1945, „1984“ 1949),
Ignazio Silone (1900-1978, „Schule der Diktatoren“ 1938),
Stephen Spender (1908-1995),
W.H. Auden (1907-1973, „Das Zeitalter der Angst“ 1947) und
Christopher Isherwood (1904-1986, „Leb wohl, Berlin“ 1939).