Je mehr ich im Vorab über das Reformationsjubiläum lese, desto klarer wird mir, dass dadurch die Kirchen in Deutschland eher gespalten werden. Je genauer wir hinschauen, um so deutlicher werden uns die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. Das ist bedauerlich; denn eigentlich steht doch der Geist der Versöhnung auf der Tagesordnung. Es droht ein Rückfall in alte Denkmuster. Wie Lucian Hölscher (SZ 13.4.16) behauptet, in erster Linie bei der Evangelischen Kirche.
Sind die Protestanten der Demokratie näher? Hat Max Weber recht mit seinen Behauptung der protestantischen Wurzeln des Kapitalismus? Sind Äußerungen für die Ökumene Lippenbekenntnisse?
Lucian Hölscher geht so weit zu sagen, dass zentrale evangelische Formeln zur Glaubensidentität wie „allein Christus“ oder „allein aus der Gnade Gottes“ längst abgelöst worden seien durch ein „sowohl als auch“. Faule Kompromisse also für die Versöhnung?
„Italienischer Humanismus, französische Religionskritik und spanische Spiritualität waren ebenso Teil des reformatorischen Aufbruchs wie der deutsche Kirchenkampf.“