1189: Horst Janssens Dilemma

Der Zeichner Horst Janssen (1929-1995) ist in Hamburg sehr berühmt. Weiter südlich nicht mehr so. Manche von uns hingen ihm an auch aus Oldenburger Nostalgie. Wir konnten uns halten an

Stefan Blessin: Horst Janssen. Eine Biografie. 1984.

Nun ist eine neue Biografie erschienen:

Henning Albrecht: Horst Janssen. Ein Leben. Reinbek (Rowohlt) 2016, 720 S., 29,95 Euro.

Sie verlässt aber kaum die schon von Blessin beschrittenen Wege. Auch das Rabaukenhafte an Janssen spart der Biograf nicht aus. Der Rezensent  der „Literarischen Welt“ (5.3.16), Hans-Joachim Müller, der sich als sehr kundig erweist, macht darauf aufmerksam, dass Joachim Fest, Fritz J. Raddatz, Rudolf Augstein und Ernst Jünger Fans von Horst Janssen waren.

Dann kommt er auf Horst Janssens Dilemma zu sprechen: „Wenn man das riesenhafte Werk überblickt, dann begegnet man Blatt für Blatt einer stupenden Begabung. Aber man könnte nicht wirklich sagen, wofür sie eingesetzt ist, wem sie dient. Eine Haltung zur Welt, ein Reflex auf Zeit und Geschichte, ist diesem Zeichnen nicht zu entnehmen. Es herrscht auf der langen Strecke ein vergnüglicher Plauderton, dem da und dort eine Groteske, ein Witz gerät, der im nächsten Blatt schon wieder kassiert wird. Er fließt einfach dahin, der Janssen-Strich, unaufhaltsam, und ganz wird man das Gefühl nie los, dass es aufs Ende gesehen doch verlorene, leere Energie ist, die sich da verausgabt hat.“

 

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