1. Ohne Vorurteile kämen wir gar nicht durch das Leben. Sie erlauben uns, die Welt zu ordnen, in Gruppen einzuteilen und nicht die Übersicht zu verlieren. Alles das, was unter „Gruppendynamik“ zu lernen ist.
2. Dabei stellt sich unversehends die Einteilung in „wir“ und „die da“ ein.
3. In der gegenwärtigen Medienwelt werden viele Vorurteile nicht mehr offen ausgesprochen (besonders in Deutschland), sind deswegen aber noch nicht verschwunden.
4. Unsere Vorurteile bilden sich nach dem Vorbild der Eltern, soweit sie noch da sind.
5. Wie ein ideologischer Bodensatz ist bei uns in Europa der Antisemitismus da, der häufig auch dort virulent wird, wo es in erster Linie gar nicht um Juden geht. Sondern etwa um Migranten.
6. In Stadtvierteln und Gegenden, in denen es viel Zuwanderung gibt, existieren weniger Vorurteile gegenüber den Migranten als anderswo.
7. In Deutschland gibt es den Antisemitismus nicht erst seit Hitler. Er war auch bei besser beleumdeten Autoren vorhanden wie
Martin Luther (1483-1546),
Ernst Moritz Arndt (1769-1860),
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831),
Richard Wagner (1813-1883) und
Theodor Fontane (1819-1898).
8. Antisemitismus wird heute gerne getarnt als Antizionismus oder „Kritik an Israel“.
9. In der Anonymität des World Wide Web (WWW) ist der dort verbreitete Hass („Hate Speech“) viel unverstellter als in der analogen Welt.
10. a) Geläufig sind Bezeichnungen wie „Ratten“ (Fritz Hippler, der Regisseur des Hetzfilms „Der ewige Jude“ 1940), „Ratten und Schmeißfliegen“ (Franz Josef Strauß), „Pinscher“ (Ludwig Erhard), „Viehzeug“, „Gelumpe“ und „Dreckspack“ (Lutz Bachmann), „Parasiten“, „Schmarotzer“, „Volksverräter“, „Lügenpresse“ etc.
b) Facebook und Co stellen den Hetzern ihre Plattformen zur Verfügung und geben vor, nicht einschreiten zu können, wenn gegen ihre Guidelines nicht verstoßen worden ist.
c) Twitter gibt jedem die Möglichkeit, unter Pseudonym jeden anzusprechen und zu beschimpfen (Michael Brendler, FAS 28.2.16).