1176: Kamel Daoud beendet Journalismus.

Kamel Daoud war acht Jahre lang Chefredakteur des „Quotidien d’Oran“. Sein Blatt war die schärfste Gegenstimme gegen die algerischen Gerontokraten, die noch aus dem nordafrikanischen „Sozialismus“ kommen. Zugleich beklagte Daoud die verheerenden Auswirkungen der islamischen Theokratie in der arabischen Welt.

Nun hat Daoud seinen Rückzug aus dem Journalismus angekündigt. Grund dafür sind ausgerechnet Angriffe französischer Historiker, Anthropologen und Soziologen. Daoud hatte nach der Kölner Silvesternacht in internationalen Zeitungen (darunter der FAZ) zwei Texte veröffentlicht, in denen er westlichen Medien die „Reaktivierung alter Ängste vor einer Invasion der Barbaren  nach dem Muster des Gegensatzpaares ‚barbarisch‘ – ‚zivilisiert'“ vorgeworfen hatte.

Dann hatte er selbst so eindringlich wie drastisch davor gewarnt, kulturelle  Unterschiede zwischen der westlichen und der islamischen Welt zu ignorieren. „Der Andere kommt aus jenem riesigen schmerzvollen und grauenhaften Universum, welches das sexuelle Elend in der arabisch-muslimischen Welt darstellt, mit ihrem kranken Verhältnis zur Frau, zum Körper und zum Begehren.“ Die Integration könne kaum gelingen, solange „die Frau in der Welt Allahs verleugnet, abgewiesen, getötet, vergewaltigt, eingschlossen und besessen“ werde.

Seine französischen Kritiker warfen Daoud vor, er bediene damit die islamophoben Fantasien eines immer größeren Teils der europäischen Öffentlichkeit. Daoud fiel aus allen Wolken. Offenbar stecke er selbst aber in einer Zwickmühle: Dadurch dass er in der Heimat die islamische Theokratie angreife, befeuere er anscheinend in Europa den Hass auf Moslems (Alex Rühle, SZ 26.2.16).

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