1140: Humboldt-Forum – ein Symbol der Unterwerfung ?

Der Kameruner Bonaventure Ndikung, 39, leitet den Kunstraum SAVVY Contemporary in Berlin. Werner Bloch hat ihn für „Die Zeit“ (7.1.16) zum Humboldt-Forum befragt.

Zeit: Herr Ndikung, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Humboldt-Forum sehen?

Ndikung: Da tauchen viele Fragen auf. Was bedeutet es, mitten in Berlin ein Schloss zu bauen? Welches Signal geht davon aus, wenn man es nach Humboldt benennt? Bei allem Respekt vor Humboldt – er war doch unmittelbarer Teil des kolonialen Systems. Alexander von Humboldt hat als Geograf, Philosoph, Botaniker und vor allem als „Entdecker“ und „Erforscher“ eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung westlicher Denkweisen in der ganzen Welt gespielt – vor allem in Lateinamerika – und dabei die dortigen Denkweisen fast völlig zerstört. Was passiert soziologisch, geschichtlich und psychologisch mit Menschen, wenn deren Flüsse, Berge, Tiere, Pflanzen nach Humboldt benannt und damit gleichsam enteignet werden? Und was mir auch durch den Kopf geht: was es eigentlich bedeutet, Objekte aus nicht westlichen Kulturen ins Humboldt-Forum zu holen, Objekte, von denen man oft nicht weiß, wie sie eigentlich dort hingelangt sind.

Zeit: Bedeutet der Umzug ins Berliner Schloss nicht vor allem Wertschätzung?

Ndikung: Eigentlich ist so etwas eher eine Unterwerfung. Die Deutschen bauen sich ein Museum, um darin Objekte aus dem „Nichtwesten“ zu zeigen. Dieses Museum liegt am Schlossplatz, nicht fern von der Alten Nationalgalerie, die ausschließlich Objekte des „Westens“ beherbergt. Da inszeniert man wieder den alten Gegensatz von „wir“ und „die“. Solange wir das tun, werden wir nie in der Lage sein, Ereignisse wie etwa in Beirut, Paris oder Bamako zu verstehen. Es gibt keine „wir“ und kein „die“, weder politisch noch kulturell.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.