Ohne französischen Gourmands oder dem deutschen Riesling zu nahe zu treten, dürfen wir sagen, dass wir uns an Italien halten, wenn es um gutes Essen und Trinken geht. Dort haben Ulrike Sauer und Thomas Steinfeld im Piemont Carlo Petrini interviewt (SZ 8.1.16). Er hat die Slow Food-Bewegung gegründet.
SZ: Ihrem Traum von guter, fairer und sauberer Nahrung steht Geld im Weg. Verdient wird an Massenproduktion. Warum?
Petrini: Weil die Landwirtschaft auf dem Prinzip beruht, dass die Natur ausgeplündert werden darf, um ihr maximale Produktivität abzuringen. Das geschieht in Funktion eines immer frenetischeren Konsums. Höchstes Ziel dieser Landwirtschaft ist das Geld. Es verlangt, die Mutter Erde auf einem niedrigen Preisniveau wettbewerbsfähig zu machen. Diese Landwirtschaft ist krank. Sie zerstört Ökosysteme und tötet.
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SZ: Für die Star-Köche mit ihren teuren Menüs haben Sie wohl nicht viel übrig?
Petrini: Es gibt keine Hierarchien in der Weltgastronomie. Ich will nichts wissen von der Sterne-Gastronomie und von dieser Pornografie des Essens, die weltweit das Fernsehen überflutet. Wenn Sie um Mitternacht in Afrika den Fernseher einschalten, hantiert da auch jemand am Herd und deliriert.
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SZ: Ist das nicht der Widerspruch: Wir sind besessen vom Essen und kaufen Discount-Milch und Billigfleisch?
Petrini: Ja, aber wir können das korrigieren. Die Menschen müssen sich ihr altes Wissen der bäuerlichen Gesellschaft wieder aneignen. Es ist verantwortungslos, Tomaten aus Süditalien zu kaufen, die von Afrikanern für drei Euro am Tag geerntet wurden. Oder eine Bio-Birne aus Argentinien, die Kontinente überquert hat.
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SZ: Wie kriegen wir denn unsere Milch zurück?
Petrini: Ganz einfach, wir lassen die Bauern Viollmilch herstellen, möglichst von Gras fressenden Kühen. Und wir verkaufen sie auf lokaler Ebene zu einem fairen Preis. Wir müssen die lokalen Wirtschaftsgemeinschaften fördern. Aber aufgepasst: Ich bin nicht gegen die Industrie oder gegen die globalisierte Wirtschaft.
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