Bei den Regensburger Domspatzen sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 231 Kinder von Priestern und Lehrern des Bistums Regensburg verprügelt und etliche Kinder darüberhinaus sexuell missbraucht worden. Das hat der mit der Klärung der Missbrauchsfälle beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber mitgeteilt. Damit ist die Zahl der Missbrauchten wesentlich höher als vom Bistum selbst bisher erhoben (Andreas Glas, SZ 8.1.16).
Es hat ein regelrechtes „System der Angst“ geherrscht. Von den bis zum Anfang der neunziger Jahre 2.400 Domspatzen ist jeder Dritte zum Gewaltopfer geworden. Auch nach 1992 hat es noch „vereinzelte Anschuldigungen gegeben, denen aber noch nachgegangen werden muss“. Zu den Verantwortlichen zählte auch Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI, der von 1964 bis 1994 Domkapellmeister war.
Die ersten Missbrauchsfälle waren im Jahr 2010 bekannt geworden. Der damalige Bischof Gerhard Ludwig Müller sprach von „Einzelfällen“ und stellte die Kirche als Opfer einer Medienkampagne dar. Müller ist gegenwärtig als Kurienkardinal Präfekt der Glaubenskongregation. Bei ihm hatte es kürzlich im Vatikan eine Razzia wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten gegeben (vgl. hier Nr. 1108 am 11.12.15). Drei frühere Regensburger Domspatzen hatten vor einem Jahr in einer ARD-Dokumentation von einem „Missbrauchssystem“ gesprochen