1128: Hitlers „Mein Kampf“ (kritische Ausgabe) sollte erscheinen.

Am 8. Januar 2016 erscheint die vom „Institut für Zeitgeschichte“ (IfZ) (München/Berlin) herausgegebene „Kritische Ausgabe“ von Adolf Hitlers

„Mein Kampf“. Zwei Bände. München (Eigenverlag), 2.000 S., 59 Euro.

Hitler hatte diese Hetzschrift in der Festungshaft in Landsberg am Lech verfasst. Sie erschien 1925/26 und diente zur Rechtfertigung der faschistischen Herrschaft in Deutschland 1933 bis 1945, zur Verherrlichung des Rassismus und des Massenmords, auch wenn die Durchführung des Holocaust nicht in allen Details vorgezeichnet wurde (Jens Bisky, Johann Osel, SZ 28.12.15).

Dass sich gegen die Edition von 2016 Widerspruch erhebt, ist sehr verständlich und sollte in jedem Fall ernst genommen werden (z.B. Jeremy Adler, SZ 7.1.16). Und doch ist er in diesem Fall verfehlt. Er stellt im Wesentlichen ab darauf, dass Hitlers Werk das abgrundtief Böse anstrebt und es verkörpert. Darum geht es der „kritischen Ausgabe“ auch. Aber in erster Linie soll sie durch Kommentierung, Einordnung und Richtigstellung einen „richtigen“ Umgang mit Hitlers Text ermöglichen. Sie soll in der Schule eingesetzt werden können. Die konkreten Herausgeber sind vier Historiker. Sie haben sich der Hilfe von Kollegen aus den folgenden Fächern bedient: Germanistik, Biologie, Japanologie, Judaistik, Kunstgeschichte, Pädagogik, Wirtschaftsgeschichte.

Zur Beruhigung der Gemüter machen wir uns klar: Auch bisher schon war zu wissenschaftlichen Zwecken seit 1945, als das Urheberrecht dem Freistataat Bayern übertragen worden war, eine Ausgabe von Hitlers Hetzschrift zu bekommen. Ich habe sie so erhalten. Und im Internet ist der Text vielfach einzusehen, was anscheinend vor allem Nazis und Neonazis nutzen. Ganz untergegangen war die Hetzschrift also nie.

Und ein zentrales Argument vor allem dürfen wir nicht übersehen: die Lektüre von Hitlers Schrift ermöglicht es uns, Gleichheiten bzw. Ähnlichkeiten mit zeitgenössischen „Argumenten“, etwa in der Flüchtlings-Debatte, zu identifizieren. Dann erkennen wir, wes Geistes Kind diejenigen sind, die sie verwenden.

Oder wollen wir das gar nicht?

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