In einem Kommentar (SZ 26./27.9.15) thematisiert Werner Bartens die Krise des Dr. med. Er schreibt:
„Ein guter Arzt ist nicht an seinem Doktortitel zu erkennen. Dass er geforscht hat, ist nicht wichtig dafür, ob er Patienten gut behandelt. Einfühlung, diagnostisches Gespür, Erfahrung und ein geschulter Blick unterscheiden den guten Arzt vom medizinischen Mechatroniker. Der Doktortitel? Stört nicht weiter. Hilft aber auch nichts, wenn der Mediziner eine emotionale Niete ist und Patienten am liebsten in Form ihrer Krankenakte begegnet.
Die medizinische Promotion ist ins Gerede geraten. Das ist richtig, wenn auch aus falschen Gründen. Datenvergleicher haben in Doktorarbeiten wiederholt Text-Plagiate entdeckt. Abschreiben ist unzulässig und verhöhnt den Anspruch, mit der Dissertation eine eigenständige geistige Leistung zu vollbringen. Das größere Problem sind jedoch verfälschte oder erfundene Daten, die zu falschen Schlussfolgerungen führen und so womöglich indirekt Patienten schädigen.“
Bartens verweist darauf, dass sich bei medizinischen Großprojekten häufig in verschiedenen Dissertationen die gleiche Einleitung und Methodenbeschreibung finden. Das sei ebenso in Biologie, Chemie und Physik. Viele medizinische Dissertationen seien ohne Wert. Allerdings stiegen bei einem „Dr. med.“ die Einküfte im Durchschnitt um einen Drittel. Das sei mehrfach unabhängig berechnet worden.