Dem US-amerikanischen Western- und Roadmovie-Regisseur Sam Peckinpah (1925-1984) widmet das Filmfestival in Locarno eine Retrospektive. Diese sind in Locarno stets besonders sorgfältig zusammengestellt und werden von Einführungen und Diskussionen begleitet. In diesem Jahr beeindruckte
Senta Berger,
die 1965 in „Major Dundee“ und 1977 in „Steiner – das Eiserne Kreuz“ von Peckinpah eine Chance bekam. Senta Berger verkörperte die schöne Frau, die dem männlichen Helden einen Ausweg aus einem Leben im Kampf, im Krieg, in der Gewalt zeigen will. Aber die schöne Frau ist nicht immer erfolgreich.
Peckinpah zeigt uns alternde Männer, die ihr Scheitern voraussehen und doch aus ihrer Haut nicht herauskönnen. Sie erscheinen uns lächerlich. Wer könnte das besser erkennen als ich. Tragisch ist in Peckinpahs Filmen, dass die Helden in vermeintlicher Pflichterfüllung manchmal ihre Freunde erschießen. Peckinpah gilt als Regisseur der Gewalt und der Ausweglosigkeit. Bei seinen Produzenten, bei der Kritik und beim Publikum hatte er bisweilen schlechte Karten. Auch weil er als Alkoholiker und zeitweise Drogenabhängiger manchmal undiszipliniert zu Werke ging. Stilistisch arbeitete Peckinpah mit vielen Einstellungen, assoziativen Eingangssequenzen, Zeitlupen und Großaufnahmen. Er war ein Vorbild für Quentin Tarantino. Nur eines hat Tarantino nicht von Peckinpah übernommen, dass es nämlich um etwas geht. Dass es kein guter Augenblick ist beim Töten und Sterben sich genussvoll zurückzulehnen und gut unterhalten zu fühlen (Verena Lueken, FAZ 11.8.15).
Mit „Sacramento“ (1962) verabschiedete Sam Peckinpah parallel zu John Fords „Der Mann, der Liberty Vanace erschoss“ (1961) den klassischen Western und läutete die Ära des „Spätwestern“ ein. 1969 folgten „The Wild Bunch“, 1973 „Pat Garrett jagt Billy the Kid“, 1974 „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“. Die Roadmovies „Getaway“ (1972) und „Convoy“ (1978) vervollständigten mit dem Kriegsfilm „Steiner – das Eiserne Kreuz“ (1977) das Werk des selbstzerstörerischen und früh gestorbenen Regisseurs. Für „Pat Garrett“ schrieb
Bob Dylan
„Knocking on Heaven’s Door“. Peckinpah kaprizierte sich in seinen späten Filmen häufig auf den Gegensatz USA-Mexiko. Und nicht zugunsten der USA. Um sich hatte er eine Stamm-Mannschaft von Schauspielern versammelt wie James Coburn, Kris Kristoffersen und Steve McQueen.