1005: Peter Schreier 80

Der Tenor, Dirigent, Musikwissenschaftler und Musikpädagoge Peter Schreier ist am 29.7.2015 achtzig Jahre alt geworden. Er ist der deutsche

Welt-Star

in der Musik. Bis 2005 (Prag) ist er aufgetreten. Heute noch leitet er internationale Meisterklassen für Gesang (seit 1981 ist er Honorarprofessor). Mit Mendelssohns Liedern hat er vor sechs Jahren die deutsche Liedtradition endgültig wieder belebt. Schreier singt diese Lieder mit einer Schlichtheit, die dem Werk alle Chancen lässt, sich selbst zu erklären und scheinbar ganz aus sich heraus zu wirken. Musikkenner identifizieren Schreier sofort an seiner sanften und dennoch strahlkäftigen Tenorstimme. Sie ist einmalig.

Helmut Mauro findet bei Schreier selbst im fortgeschrittenen Alter bei aller Eleganz der Melodiebildung keine unnötigen Manierismen. Schreier hat immer noch Reserven. „Man hat ihn nie an seinen Grenzen erlebt. Ganz anders als der stimmschwächere , näselnd verschleiernde Dietrich Fischer-Dieskau. Wer will, kann das beim Duett aus Franz Schuberts ‚Alfonso und Estrella‘ sehr gut nachvollziehen.“

1943 trat Schreier in den Dresdener Kreuzchor ein. Seine wunderschöne Alt-Stimme inspirierte anscheinend Kreuz-Kantor Rudolf Mauersberger zu speziellen auf Schreier zugeschnittenen Kompositionen. Sie entstanden nach 1945 unter großem Leidensdruck und gewannen durch Schreiers kristallklare Alt-Soli einen Hoffnungschimmer. Der junge Peter Schreier hat die Wirkung seiner Stimme gespürt und sie technisch auf das höchste Niveau gebracht. Seine Gesangskunst besticht durch Gradlinikeit, Schlichtheit und Ehrlichkeit. Seine Stimme hat einen  enorm großen Obertonreichtum. Schreier scheint für jede Figur, die er auf der Bühne verkörpert, persönlich einzustehen. Er ist als Musiker vollkommen glaubwürdig (Helmut Mauro, SZ 29.7.15).

Peter Schreiers Kunst erstreckt sich nicht nur auf die Musik Johann Sebastian Bachs, mit der er als Evangelist geglänzt hat, sondern auch auf die Lieder Franz Schuberts, Robert Schumanns und Felix Mendelssohn-Bartholdis. Und er brillierte in Mozarts Opern (Zauberflöte, Don Giovanni, Clemenza di Tito, Entführung aus dem Serail, Cosi fan tutte) und bei den Salzburger Festspielen. Als Künstler war Schreier bis 1990 ein Export-Schlager der DDR. Schon 1983 erschien „Aus meiner Sicht“, Gedanken und Erinnerungen eines großen Musikers und Menschen.

 

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