1. Erstaunlich finde ich es immer wieder, wie gut Deutschland wirtschaftlich, sozial und politisch dasteht angesichts der vielen Fehler, die in der Bildungspolitik der letzten Jahre permanent gemacht worden sind: Gleichmacherei, Absenken von Leistungsanforderungen, Hinterherwerfen von Bildungsabschlüssen. Dann kommen die Zöglinge dieses Systems im Handwerksbetrieb an und können nicht rechnen. Oder auf der Universität landen sie und können kein Deutsch. So kann es doch wohl nicht weitergehen. Der Platz Deutschlands ist wohl nur so zu verstehen, dass es in anderen Staaten noch schlechter aussieht.
2. Wer konnte eigentlich auf die Idee kommen, dass G 8, das Abitur nach zwölf Jahren, oder Bachelor- und Master Studiengänge richtig sind, die völlig verschult, schematisiert und formalisiert wurden und in denen es keine akademische Freiheit zum wirklichen Lernen mehr gibt. Stand dahinter etwa auch die Selbsterkenntnis mancher Befürworter, dass die eigene Kompetenz in vielen wichtigen Fragen unzureichend ist? Und dass es gar nicht gut ist für die jungen Leute, wenn sie so viel wissen, da kommen sie nur auf „dumme Gedanken“? Ich fürchte ja. Sozusagen die Solidarität der Inkompetenten.
3. Die Hauptschule ist in den letzten Jahrzehnten ja bildungspolitisch bewusst „abgewirtschaftet“ worden. Als Kind habe ich noch eine Zeit erlebt, als meine Klassenkameraden nach der Hauptschule sehr kundige Handwerksmeister und erfolgreiche Unternehmer wurden.
4. Noten sollen weithin abgeschafft werden. Dabei wird übersehen, dass sie in der Summe aussagekräftig und gerecht sind. Ja, sie können denjenigen, welche die „Beurteilungslyrik“ aus den Schulen nicht verstehen, sogar helfen. Insbesondere sozial schwächeren Kreisen. Wenn deren Kinder begabt und leistungsfähig sind.
5. Schullaufbahnempfehlungen sollen partiell abgeschafft werden. Das bringt gar nichts; denn sie haben sich bisher als sehr treffend erwiesen.
6. Der Trend zum Abitur für alle (etwa bei der OECD) entwertet das Abitur vollständig. Es ist dann gar nichts mehr wert. Manche wollen das wohl.
7. Sitzenbleiben soll es nicht mehr geben. Natürlich ist das nicht gottgegeben, aber es orientiert. Ein Teil der Sitzenbleiber hätte das Ziel erreichen können, wäre er nur besser gefördert worden. Ein Teil hat insgesamt zu große Lücken, die durch ein Jahr der Wiederholung geschlossen werden (hier nicht auf die SPD und die GEW hören!). Für einige kommt das Sitzenbleiben, weil sie in der falschen Schulart sind.
8. Es ist Unsinn, für den Zugang zur Universität die Abiturnoten zu nehmen. In Bremen kriegst du ganz andere als in Baden-Württemberg. D.h. die Schüler aus den leistungsstarken Bundesländern sind beim Uni-Zugang benachteiligt. Pervers.
9. Inklusion ist eine menschenfreundliche Idee. Aber wo es um Leistung geht, kann sie zur Demotivierung führen (etwa im Sport, in der Musik, in der Mathematik, anderswo auch). Zugespitzt: Wir haben an der Universität noch nicht genug Inklusion, es fehlen uns die ganz Doofen.
10. Ich sehe zwei Maßnahmen, mit denen der gegenwärtigen Misere entgegengewirkt werden kann:
a) Die Universitäten dürfen sich nicht auf die Schulnoten verlassen, sondern müssen in Eingangstests selbst die Eignung von Bewerbern feststellen.
b) Entscheidend für die Qualität unseres Bildungssystems ist die Qualität der Lehrer auf allen Ebenen. Die Kandidaten sollten von erfahrenen Rektoren, Direktoren und Lehrern, Pädagogen an Universitäten eignen sich vermutlich weniger, geprüft werden, ob sie auch sozial und menschlich ihren künftigen Aufgaben gewachsen sind. So vermeiden wir bei den Lehrern die Sadisten, die Zyniker und die Gleichgültigen. Wir brauchen dort die qualifizierten Förderer. Das entscheidet.