972: Stolpern über Stolpersteine ?

In München sind seit 2004 die von dem Kölner Künstler Gunter Demnig entwickelten „Stolpersteine“ verboten, in den Gehsteig eingelassene Messingplatten mit den Namen und Lebensdaten der von den Nazis ermordeten Menschen. Auf Stadtratsbeschluss. Der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde München, Charlotte Knobloch, ehemals Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist der Gedanke unerträglich, dass Neonazis ihre Springerstiefel an den Plaketten mit den Namen der ermordeten Juden abwischen.

Ich sehe das ganz anders. Nach unseren Berliner Erfahrungen wissen wir, dass mit den Stolpersteinen ein kollektives und individuelles Erinnern sehr wohl befördert werden. Aber ich respektiere natürlich die Emotionen von jüdischen Angehörigen und – Nachkommen.

In München sollen die Stolpersteine in Häuserwände eingelassen oder auf Stelen vor den Häusern angebracht werden. Beides ausschließlich auf Wunsch und – nach Vorstellungen der CSU – auf Rechnung der Angehörigen. „Es ist paradox: Diejenigen, die sich auf Charlotte Knobloch berufen, verhindern damit auch ihr Herzensanliegen – das individuelle Gedenken an die Opfer mitten im Alltag.“ Eine mögliche Lösung liegt in einer Schubalde des Münchener Kulturreferats. „Die aus Spenden finanzierten Stolpersteine soll es demnach dort geben, wo Hinterbliebene und Nachkommen sie wollen – und da nicht, wo diese sie ablehnen. Und wo es weder die einen noch die anderen gibt, müssen Fachleute und Opferverbände entscheiden. Das klingt einfach. Und erfordert einfach Mut.“ (Martin Bernstein, SZ 23.6.15)

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