Seit 1998 vergleicht das CHE-Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung und der „Zeit“ in Deutschland Studiengänge. Dazu zählt es zum Beispiel, wie viel Abschlüsse in der Regelstudienzeit erreicht werden, und befragt Studenten. Etwa nach dem Engagement der Dozenten. Je nach Punktzahl werden die Studiengänge mit der Ampelmethode (grün, gelb, rot) gerankt: Spitze, Mittelfeld, Schlussgruppe. Wie in einer Bundesliga-Tabelle.
Eine Soziologengruppe um meinen ehemaligen Göttinger Kollegen Stefan Lessenich, der via Jena nun in München forscht und lehrt, fand die CHE-Erhebungen schon 2012 methodisch fragwürdig und die Ergebnisse pauschal und irreführend. Lessenich: „Wir setzen nicht auf Rankings, sondern auf Inhalte.“ Ausgerechnet der vom CHE positiv gerankte Fachbereich Soziologie an der Universität Jena, wo Lessenich seinerzeit arbeitete, führte die Rebellion gegen das Ranking an.
Sie ließen das Portal „Studium.org“ entwickeln, das von den Soziologen und Historikern in Deutschland finanziert wird. Angeschlossen haben sich inzwischen die Erziehungswissenschaften und die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, meine eigene Wissenschaft. Studium.org setzt auf Inhalte und berücksichtigt auch „weiche“ Kriterien wie
den regionalen Mietspiegel,
die Kinodichte oder
die Zahl der Sonnentage am Studienort.
Stefan Lessenich: „Wir halten Rankings für ungeeignet, um die Qualität von Lehre zu messen.“ Wie wahr, wie wahr!! (Anna Lehmann, taz 17.6.15)