942: Volkmar Sigusch über Prostitution

Einer der angesehensten Vertreter der Sexualwissenschaft, Volkmar Sigusch, 75, wird im SZ-Magazin (22.5.15) von Tobias Haberl befragt.

SZ-Mag: Seit einem Jahr wird in Deutschland über die rechtliche und soziale Stellung von Prostituierten diskutiert. Sollte man Prostitution verbieten?

Sigusch: Ich kann mir unsere Gesellschaft ohne Prostitution gar nicht vorstellen.

SZ-Mag: Warum nicht?

Sigusch: Weil es ohne sie Mord und Totschlag gäbe, und zwar aus Triebgründen. Leider sind wir so bigott, dass wir Prostituierte für etwas verachten, das wir alle mehr oder weniger machen müssen, wenn wir überleben wollen. Schauspielerinnen lassen sich operieren, um eine Filmrolle zu bekommen. Abertausende von Angestellten kriechen dem Chef in den Hintern, um ihren Arbeitsplatz behalten zu dürfen. Nein, ich beteilige mich nicht an der Hatz auf Prostituierte. Und wissen Sie, welche Erfahrung ich im Laufe meiner Arbeit gemacht habe? Je aggressiver öffentliche Personen gegen Prostituierte auftreten, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie deren Dienste in Anspruch genommen haben.

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