924: Jerofejew: Der Westen hat Fehler gemacht.

Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew („Die Moskauer Schönheit“) hat früher auch für das russische Fernsehen gearbeitet. Franziska Augstein hat ihn für die SZ interviewt (11.5.15).

SZ: Hat der Westen Fehler gemacht?

Jerofejew: Jede Menge, schon seit 1991. Die Regierenden im Westen haben sich nicht Kenntnis davon verschafft, wie Russland beschaffen ist. Im Westen dachte man, Russland sei so ähnlich wie Portugal: ein armes, schwaches Land, das dankbar sein müsse, wenn es zur EU gehöre. Vor Jahren habe ich gesagt, wenn das so weitergehe, werde der Kreml sich aufführen wie Iran. Damals bekam ich zu hören: Viktor, wir haben dich ja sehr gern, aber du übertreibst. Und wo stehen wir jetzt? Den Krieg in der Ukraine gäbe es nicht, wenn der Westen begriffen hätte, wie man mit Russland umgeht.

SZ: Wie denn?

Jerofejew: Seit 1991 wurde Russland betrachtet wie ein verdrecktes Zimmer voller ekliger kleiner Tiere. Da brauche es eine Putzfrau, die mit dem Staubsauger mal ordentlich durchgeht. Es wurde ohne Respekt behandelt und ohne die angemessene Härte. Man muss mit Russland nuanciert umgehen.

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