Der junge Freiburger Bildungssoziologe Christian Dries ist mutig. Dort, wo sonst Duckmäusertum und Speichelleckerei herrschen, spricht er die Defizite des aktuellen Wissenschaftsbetriebs klar an (SZ 6.5.15). Die Ursache sieht er im Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Dries hält es für forschungs-, frauen- und familienfeindlich. Wer nach insgesamt zwölf Jahren Qualifikationszeit keine entfristete Dauerstelle habe, der sei im Aus gelandet. „Das kommt einer Selbstdemontage des Wissenschaftsstandorts Deutschland gleich, es ist ein
Programm zum systematischen Abbau wissenschaftlicher Exzellenz.“
„Die vielleicht dramatischste Folge dieser politisch motivierten Fehlsteuerung ist kaum in Zahlen zu fassen. Dass immer mehr kluge Köpfe die Hochschule in Richtung Ausland oder attraktivere Berufsfelder verlassen, ist nur die eine Seite. Weil zugleich die Zeit immer knapper wird, die den Jungen für gediegene wissenschaftliche Forschung bleibt, verringert sich (vor allem in den notorisch leseintensiven und mußebedürftigen Geisteswissenschaften) beinahe zwangsläufig auch die Qualität der abgelieferten Forschungsarbeiten.“
Die Universität erziehe „Blender“. Es fehle vor allem an der Betreuung von Studierenden und „ausgefeilten Seminaren für den neuen akademischen Nachwuchs“.
Das muss geändert werden.