Der Mann in der Lederjacke mit der zu großen Brille und der ewigen Zigarette hat in 13 Jahren 41 Filme gedreht. Der Regisseur als Berserker hatte schon 1982 in Exzessen und mit Drogen sein Leben verbraucht. Der Spießerschreck mit dem Schmuddelimage war ein großer Künstler. Der Regisseur der exakten Kadrierung und der bedrohlichen Innenräume war getrieben von Arbeitswut und von
der Angst vorm Alleinsein.
Bezeichnend dafür ist sein Film „Ich will doch nur, dass ihr mich liebt.“ (1975).
Fassbinder hat wunderbar zarte Filme geschaffen wie „Fontane: Effi Briest“ (1974). Weitere aussagekräftige Filmtitel sind „Liebe ist kälter als der Tod.“ (1969), „Warnung vor einer heiligen Nutte“ (1971), „In einem Jahr mit dreizehn Monden“ (1978).
Im Martin Gropius-Bau in Berlin wird anlässlich des siebzigsten Geburtstags des Filmkünstlers eine
Ausstellung (6.5. – 23.8.15)
gezeigt. Darin finden wir natürlich nicht die Wahrheit, sondern die Version, die von der Fassbinder Foundation unter der Leitung von Fassbinders letzter Lebensgefährtin, Juliane Lorenz, für richtig gehalten wird. Die Foundation hat sich um die Digitalisierung und Restaurierung von Fassbinder-Filmen verdient gemacht (Peter Körte, FAS 3.5.15).
U.a. kommt darin auch Fassbinders Fußball-Leidenschaft zum Ausdruck. Wir finden zwischen Drehbuchskizzen Tabellen und Mannschaftsaufstellungen und das Trikot von Paul Breitner. Ich habe es auf einer Berlinale Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts selbst miterlebt, wie Fassbinder auf einer Pressekonferenz mit der gesamten Filmfachpresse der Welt plötzlich abbrach und mitteilte, er müsse jetzt weg, die Sportschau fange an.