Mit seiner Dissertation „Männerfantasien“, die 1977 in zwei Bänden erschien, hat Klaus Theweleit Furore gemacht. Sein Ansatz ist heute noch fruchtbar, wird aber nicht überall verstanden. Theweleit hat seinerzeit aufgeräumt mit beschönigenden Versionen vom Krieg und von Soldaten und mit rechtfertigenden Perspektiven für Nazis. Er analysierte die faschistischen Männlichkeits- und Gewaltfantasien in mehr als 250 Romanen und „Lebenserinnerungen“. Methodisch geschah das in einer Mischung aus Literaturwissenschaft und Psychoanalyse, autobiografischer Erzählung, Comics, Karten und politischen Kommentaren. Beim Quellensammeln stieß Theweleit das erste Mal auf das Lachen der Täter, wenn Morde wie die an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als „Lustmorde“ gesehen und gefeiert wurden.
Bei seinem neuen Buch
„Das Lachen der Täter. Breivik u.a. Psychogramm der Tötungslust“. Residenz-Verlag, 248 S., 22,80 Euro
handelt es sich nach Theweleits eigener Aussage um „Männerfantasien revisited“. Theweleit untersucht wieder die Täter. Anders Breivik, IS-Kämpfer, SS-Männer. Er findet heraus, dass es beim Töten nicht auf eine Religion oder Ideologie ankommt, sondern auf die „Tötungslust“ (Julia Encke, FAS 22.3.15).
„Es gibt einen bestimmten körperlichen Herrschaftstyp, der seine Herrschaft immer mit Gewalt und ohne Rücksicht auf die anderen durchsetzt. Die Griechen nennen ihn Barbaren. Ich nenne ihn nicht so, sondern einen bestimmten Dominanzmännertyp, der von Beginn unserer Kultur an da ist (auch bei den Griechen) und der versucht seine Herrschaft durchzusetzen mit Gewalt, mit Töten. Und zum Töten braucht man eine bestimmte körperliche Disposition: eine Art zerstörter Körperlichkeit mit der Dauerangst, psychisch zu fragmentieren. Glücklicheren Menschentypen wäre das unangenehm, in die Haut des anderen einzudringen und das Blut spritzen zu lassen. Jeder macht das nicht, zumindest nicht mit Lust.“
Dieses Vorgehen wird mit beliebiger Ideologie gerechtfertigt, aber auf die Weltanschauung kommt es dabei nicht wirklich an. Der Täter kann ein strukturell patriarchalischer Muslim sein oder ein norwegisch-christlicher Antisemit oder ein germanisch-sektiererischer SS-Mann oder noch etwas anderes. Frauen üben weit weniger körperlich tötende Gewalt aus.
Gewalt kann nach Klaus Theweleit eingedämmt werden. In unserer Gesellschaft wachse fast keiner mehr heran, der diese Sorte von Tötungszwang und Tötungslust entwickle. „Wenn die Umgebung nicht mitmordet und mitfeiert, ist der Triumph sehr eingeschränkt.“ „Es gibt aber Tausende von Irakern oder afrikanische Soldaten oder Kindersoldaten, die darauf aus – oder angewiesen sind, in Gebieten mit einem Machtvakuum ihre Gewalt loszulassen.“
In diesen Strukturen dürfen Frauen nichts zu sagen haben. Auch jene nicht, die etwa freiwillig zum IS gehen. Verschleierung, im Hause bleiben, eine bestimmte sexuelle Verfügbarkeit – daran haben sie sich zu halten. Nach Klaus Theweleit geht die Männerherrschaft weiter.