Der künstlerische Leiter der Documenta 14, die 2017 gezeigt werden soll, Adam Szymczyk, möchte den „Schwabinger Kunstfund“ zeigen, die Sammlung des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Katrin Lorch hat ihn befragt (SZ 15.4.15).
SZ: Aber warum sollte man das Erbe eines NS-Kunsthändlers in Kassel zeigen, in der bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst?
Szymczyk: Genaudeshalb – weil sie nie gezeigt und gesehen werden sollte. Die Documenta ist eine Ausstellung zu zeitgenössischen Themen, nicht zwingend von zeitgenössischer Kunst. Bei der vergangenen Documenta stellte man auch 4000 Jahre alte Skulpturen aus und Fotografien, die von der Amerikanerin Lee Miller nach Kriegsende im Badezimmer von Adolf Hitler aufgenommen wurden. Die Documenta war immer auch eine Meta-Ausstellung – eine Aussage über die Welt der Gegegnwart, von der die Kultur ein empfindlicher Teil ist, eine kognitive Erweiterung. Außerdem war der Fall Gurlitt – neben der Skandalisierung – auch für viele Kunst-Diskurse der vergangenen Jahre bestimmend.