870: Kunstschätze besser im Westen ?

Angesichts der fast unvorstellbaren Zerstörung von Kunstschätzen im Irak durch den IS hat sich Hannes Stein zu einer Polemik verstanden (Die Welt 7.3.15). Mir gefällt sie.

Stein schreibt über die Plünderung des Nationalmuseums in Bagdad 2003: „Es wäre besser gewesen, alles, was dort rumlag, mit Herkulesmaschinen nach Washington abzutransportieren. Dann könnten wir die Kunstschätze aus dem Zweistromland heute im

Smithsonian Museum

bestaunen, wo Kuratoren sie liebevoll mit Pinseln entstauben und katalogisieren würden. Stattdessen müssen wir auf Youtube dabei zuschauen, wie islamische Barbaren, die ins siebte nachchristliche Jahrhundert zurückwollen, in Mossul unersetzliche Statuen von ihren Sockeln stürzen und mit Vorschlaghämmern auf sie losgehen. Wem bei diesen Videobildern nicht das Herz gefriert, der hat keines.“

Natürlich weiß Stein von den systematischen Plünderungen der Briten. „Aber wenn man die Entwicklung sieht, die manche der ehemaligen Kolonien genommen haben, muss man immerhin zugeben: Vieles, was die Briten mitgehen ließen, wurde dank der Plünderung wahrscheinlich vor Zerstörung geschützt.“

„Ständen sie (die Kunstschätze, W.S.) im

British Museum

nicht sehr viel sicherer?“

Zu den Freveleien in Mali schreibt Stein: „Mittlerweile ist es den Regierungssoldaten mithilfe französischer Truppen gelungen, die Fundamentalisten aus Mali zu vertreiben. Die unersetzlichen Manuskripte von Timbuktu sind wieder sicher – wenigstens fürs Erste. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob sie im

Louvre

nicht besser aufgehoben wären.“

One Response to “870: Kunstschätze besser im Westen ?”

  1. Kay Meiners sagt:

    Spätestens seit 1945 stimmt die Einschätzung von Hannes Stein. Am sichersten sind die Funde der großen Weltkulturen, wenn sie optimal über die Welt verteilt sind. Dazu hat die Epoche des Kolonialismus einen bedeutenden Beitrag geleistet. Ein Land, das – bei allen außenpolitischen Problemen – verantwortungsvoll mit seinen im Land verbliebenen Kulturschätzen umgeht, ist der Iran.

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