Mit keinem anderen Künstler, Gerhard Richter ausgenommen, haben sich Kunstbetrieb und Kunstkritik in Deutschland so auseinandergesetzt wie mit dem Maler und Plastiker
Anselm Kiefer.
In der Welt erscheint er manchmal als „deutscher Künstler“, der entsprechend aus allen Rahmen fällt. Den Reiz macht bei Kiefer häufig der Unergründliche, noch nicht Begriffene aus. Dabei wollte er zurück zur Figuration. Und startete 1971 mit „Märkische Heide“ deutsch-militärisch. Die von Kiefer bevorzugt verwendeten Stoffe Holz, Lehm und Blei, die an seinen Lehrer
Joseph Beuys
erinnern, bergen Geschichte, aus der es – bei Kiefer – keine Befreiung gibt. 1973 malte er „Deutschlands Geisteshelden“ (sieben Meter breit) und ließ darin
Friedrich Hölderlin,
Adalbert Stifter,
Richard Wagner und
Theodor Storm
Revue passieren. Dass Kiefer Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre manchmal den Arm zum Hitlergruß hob, verstehen wir heute didaktisch.
Dreimal war Kiefer zur Documenta eingeladen und vertrat Deutschland 1980 auf der Biennale in Venedig. Er hat viele Preise und Auszeichnungen erhalten: 1990 wurde er zum Ehrenmitglied der American Academy and Institute of Arts and Letters ernannt, 2005 zum Träger des Ordre des Arts et des Lettres, es folgten der Goslarer Kaiserring und – auch für ihn unerwartet – 2008 der
Friedenspreis des deutschen Buchhandels,
von dem Kiefer sagte, er habe gedacht, „dass nur Schriftsteller, Politiker, Historiker und Intellektuelle ihn bekämen“. Das ist das PR-gerechte Understatement von Anselm Kiefer. Wie sein Generationsgenosse
Botho Strauß
glaubt der Maler, dass sich Geschichte wiederholt und damit die Struktur von Mythen teilt. Zu schwer verdaulich für uns?
Anselm Kiefer hat seinen Weg nach dem Studium (vorwiegend in Karlsruhe) über den Odenwald, Düsseldorf und Südfrankreich nach Paris genommen, wo er zusätzlich zu seinem Atelier ein zweites in einer riesigen Lagerhalle im Pariser Osten, in Croissy-Beaubourg, eröffnete. Er zog in die Welt hinaus. Und machte dabei seinem Galeristen Thaddaeus Ropac manche technisch-logistischen Probleme. Der eröffnet im Jahr von Kiefers 70. Geburtstag Ende März eine Kiefer-Schau in seinem
Salzburger
Stammsitz (Thomas Steinfeld, SZ 6.3.15; Julia Voss, FAZ 7.3.15).