Kanada hat zum 1. Januar 2015 sein berühmtes Punktesystem für Zuwanderer umgebaut. Der Migrationsfachmann Thomas Liebig erklärt das Prinzip und was Deutschland davon lernen kann. Sven Astheimer hat ihn für die FAZ (24.1.15) interviewt.
FAZ: Brauchen wir ein neues Einwanderungsgesetz, um den Ansturm steuern zu können, wie es der CDU-Generalsekretär Peter Tauber vorgeschlagen hat und wie es mittlerweile viele Parteien fordern?
Liebig: Zunächst müssen wir festhalten, dass drei Viertel der dauerhaften Migranten aus EU-Ländern kommen. Dort stellt sich die Frage nach Steuerung nicht. Von den übrigen 25 Prozent entfällt der Großteil auf humanitäre Zuwanderung und Familiennachzug, auch dort ist Deutschland durch internationale Regelungen weitgehend gebunden. Die Stellschraube, mit der man etwas bewegen kann, betrifft die dauerhafte Arbeitsmigration von außerhalb der EU. Hier ist der Anteil Deutschlands im internationalen Vergleich noch vergleichsweise gering – 2013 waren es knapp 25000 Personen. Das sind rund 30 je 1000 Einwohner, in Kanada sind es sechs mal so viele. Allerdings hat Deutschland gerade für Hochqualifizierte innerhalb des vergangenen Jahrzehnts viel getan und mittlerweile eine der liberalsten Gesetzgebungen der Industrieländer.
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Wenn wir auf Dauer unseren Bedarf an Fachkräften sichern wollen, braucht Deutschland ein transparentes und effizientes Arbeitszuwanderungssystem mit stärkerer Gewichtung der deutschen Sprache.