768: Putin fürchtet das russiche Volk.

Für jeden verantwortungsbewussten Analytiker der russischen Krise ist es selbstverständlich, dass am Ende der Bemühungen ein friedliches Nebeneinander mit Russland stehen muss. Bei hohem und beiden Seiten nützlichem Wirtschaftsaustausch. Das darf uns aktuell aber nicht zu falschen Schlüssen verleiten. Wie es nun wieder bei Antje Vollmer und anderen der Fall ist (Julian Hans, SZ 10.12.14).

Putin fürchtet nämlich gar nicht ein militärisches Eingreifen der NATO. Sondern sein eigenes Volk. Dieses hatte 2008 auf die Frage „Was bedroht die Existenz unseres Staates?“ geantwortet:

– „Abfall des Lebensstandards bis zu Hungersnot“ (70 %),

– „Terrorismus“ (67 %),

– „Umweltkatastrophen“ (59 %),

– „Verfall von Wissenschaft und Kultur“ (59 %).

Ein Krieg mit dem Westen erschien den Russen zu 17 Prozent gefährlich.

„Die Geschichte von der Umzingelung Russlands und vom gefährlichen Heranrücken der NATO erzählt Wladimir Putin bevorzugt seinen westlichen Gesprächspartnern, zuletzt im Interview für das deutsche Fernsehen. Der Aufruf zeigt, dass diese Saat hierzulande auf fruchtbaren Boden fällt. Im eigenen Land erzählt die russische Propaganda nämlich eine ganz andere Geschichte: die von der mächtigen russischen Armee, die Amerika ‚in radioaktive Asche verwandeln‘ könnte.“

Die Russen heute haben keine Angst vor der NATO, sie möchten selbst anderen Angst machen können. „Wladimir Putin nutzt diese Gefühle, weil er selbst Angst hat: Die antiwestliche Rhetorik begann 2012, nachdem Hunderttausende Russen gegen gefälschte Wahlen protestiert hatten. Und sie wurde während des ukrainischen Maidan radikal verschärft. Putin fürchtet in Wahrheit weniger die NATO. Er fürchtet sein Volk.“

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