765: Studieren in den Siebzigern

Wie man weit vor G 8 und Bachelor/Master studieren konnte, das beschreibt Ulrich Raulff in seinem Buch

Wiedersehen mit den Siebzigern. Die wilden Jahre des Lesens. Stuttgart (Klett-Cotta) 2014, 170 Seiten.

Der Autor ist seit zehn Jahren Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar, er war früher Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ und Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Raulff erzählt schwungvoll und sehr gut lesbar. Das gesamte Kaleidoskop eines Studiums außerhalb der Naturwissenschaften wird entfaltet. Vorzugsweise geht es um Fächer wie Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Romanistik, Anglistik, Slawistik, also die Gegenstände der „Phil.Fak.“, wie wir sie früher nannten. Und es geht um die Lust des Lesens. Und zwar nicht nur in Marburg, wo Raulff sein Studium begann, sondern auch in Paris, London und Berlin. Das alles betrachtet der Autor keineswegs unkritisch, aber wir spüren seine Begeisterung. Da ist auch die Rede von Zeitschriftengründungen, von den dunklen französischen Philosophen und von der neu sich durchsetzenden Bildwissenschaft. Wir werfen einen Blick auf ein ansonsten so unterschätztes Fach wie die Kunstgeschichte. Und Raulff lässt Mitstreiter auftauchen wie

Hans Zischler und

Frank Böckelmann.

Das erlaubt einen – zwar nicht vollständigen, aber treffenden – Blick auf die philosophische und die literarische Szene und in die Welt der Kunst und der Bibliotheken.

Was waren das für herrliche Zeiten!

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