Nachdem Anfang der siebziger Jahre Sabina Spielreins Briefe an Sigmund Freud und Carl Gustav Jung in einem Genfer Keller entdeckt worden waren, schrieb der US-Amerikaner John Kert „The Dangerous Method“ über diese Beziehungen. Christopher Hampton, der bekannte Regisseur, machte daraus 2002 das Theaterstück „The Talking Cure“. Dieses wiederum wurde von Alissa Walser ins Deutsche übersetzt. So entstand 2005 unter dem Titel „Die Methode“ eine deutschsprachige Erstaufführung. David Cronenbergs Film „The Dangerous Method“ erschien 2013. Wir wissen also schon einiges über Sabina Spielreins Eigenarten. Ein SS-Offizier erschoss die Jüdin und ihre beiden Töchter 1942 in Rostow am Don.
In Wien hat nun Christopher Hampton erneut das Theaterstück herausgebracht. Unter dem Titel „Dunkle Begierde“ (Übertragung ins Deutsche von Daniel Kehlmann). Nach Meinung von Gerhard Stadelmaier (FAZ 29.11.14) war die Übersetzung von Alissa Walser wesentlich schlüssiger und eleganter. An den Begierden findet er nichts Dunkles.
„Wobei Jung die mythische, ja religiöse Dimension der gesprächsweisen Seelenausgrabung mehr als die sexuelle betont und die Couch als Altar betrachtet, auf dem zum Zweck der Menschenverbesserung analytisch geopfert wird, aber nebenan, im Klinik-Schlafzimmer, heftigen natur- und berufsethikgemäß verbotenen Sex mit seiner von Hysterien und sadomasochistischen Masturbationsphantasien geplagten Patientin Sabina Spielrein hat, dieweil Jungs unermesslich reiche und ihn großzügig finanzierende Frau Emma von einem Wochenbett ins nächste sich hangelt. Sabina ist eine junge russische Jüdin, die sich später (klug durch Leiden) auch zur Psychoanalytikerin ausbildet. Freud dagegen wünscht allen Mythos und alle Religion zum rationalen Teufel und pocht ganz auf die sexuelle Basis seiner Seelenlehre. Und so sehr er die Couch einfach als Mittel zum Zweck der Menschenerkenntnis (nicht der Menschenverbesserung) nimmt – selbst lässt er die Finger von seinen Patientinnen.“