758: „Kunst als Waffe“ ist Käse.

Der Maler Norbert Bisky kommt aus einer angesehenen Familie. Sein Vater Lothar Bisky war in der DDR Professor für Kommunikationswissenschaft, ein Kollege von mir, später langjähriger PDS-Vorsitzender. Sein Bruder Jens Bisky ist einer der wichtigsten deutschen politischen Journalisten (bei der „Süddeutschen Zeitung“.) Im November wurde in Rostock eine Ausstellung mit Bildern von Norbert Bisky eröffnet. Dazu hat Tobias Timm den Maler befragt („Die Zeit“ 6.11.14)

Zeit: Zu Beginn ihrer Karriere malten Sie eher im Stil des Sozialistischen Realismus.

Bisky: Ich habe eine Zeit lang die Eindrücke aus meiner Kindheit und Jugend in der DDR verarbeitet und persifliert. Dafür habe ich allerdings auch Prügel eingesteckt.

Zeit: Von wem?

Bisky: Von Leuten, die dachten, ich wolle Diktaturen verniedlichen – im Gegenteil.

Zeit: Beim Mauerfall waren Sie 19 Jahre alt. Wie viel DDR steckt noch in Ihrer Kunst?

Bisky: Ich habe mehr Lebensjahre in der Bundesrepublik als in der DDR verbracht. Mein Bewusstsein ist viel stärker vom Westen geprägt. Auch weil ich es zu Beginn so ausführlich in meiner Arbeit thematisiert habe, bin ich jetzt durch mit dem Thema DDR.

Ich versuche als Künstler möglichst sensibel zu sein, statt mich zu betäuben, in der Gegenwart zu leben, die Türen offen zu halten. Es gibt politische Bilder von mir, etwa zu den Terroranschlägen in Mumbai, und solche, in denen Politik gar keine Rolle spielt. Malerei aber, die nur politisch sein will, ist hemmungslos überfordert. „Kunst als Waffe“ ist Käse.

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