709: Die Telefonüberwachung der Stasi

Ilko-Sascha Kowalczuk und Arno Polzin haben ein wichtiges Buch herausgegeben

Fasse Dich kurz! Der grenzüberschreitende Telefonverkehr der Opposition in den 1980er Jahren und das Ministerium für Staatssicherheit. Göttingen (Vandenhoek & Ruprecht) 2014, 1060 Seiten, 59,99 Euro.

Diese Dokumentation wäre sinnlos gewesen ohne namentliche Nennung der Akteure. Hunderte Betroffene gaben ihre Einwilligung, unter ihnen

Bärbel Bohley, Freya Klier, Stephan Krawczyk, Lutz Rathenow, Wolfgang Templin, Gerd und Ulrike Poppe, Roland Jahn,

die geistige Führungsschicht des politischen Widerstands (Alexander Kammann, Die Zeit 9.10.14). Es kommt heraus, dass dann, wennn die Stasi jemand telefonisch bespitzeln wollte, schnell private Telefonanschlüsse gelegt wurden, die sonst fast gar nicht zu bekommen waren. Einmal wurde sogar Erich Honecker abgehört, als er nämlich den mit ihm befreundeten Schriftsteller Stephan Hermlin vor der Telefonüberwachung warnen wollte. Der katholische Bischof Alfred Bengsch bemerkte bereits 1959 eine Abhöranlage in seiner Wohnung und machte dies öffentlich, der evangelische Pfarrer und spätere CDU-Politiker Rainer Eppelmann 1988. Die wichtigsten Kontaktpartner für die DDR-Opposition kamen selbst aus der DDR:

der 1977 ausgebürgerte Schriftsteller Jürgen Fuchs und

der gegenwärtige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde Roland Jahn.

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