706: Das Versprechen der einen Welt

Seit dem Relaunch der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) schreibt Carolin Emcke dort ihre samstägliche Kolumne. Die international erfahrene und mehrfach ausgezeichnete Journalistin formuliert häufig sehr prägnant. So über das Versprechen der einen Welt (18./19.10.14).

„Es gibt keine Unschuld des Nicht-Wissens mehr. Wir können selten behaupten, von einer noch so entlegenen Krise nichts gewusst zu haben. Wir erfahren von Kriegsverbrechen und Völkermord nicht nachträglich, sondern zeitgleich.

Gewiss, es gibt nach wie vor Kontroversen um gültige Beweise, nach wie vor wird gelogen, um ein eindeutiges Urteil über Täter und Tat hinauszuzögern. Gewiss, auch abzüglich aller propagandistischen Manöver bleiben manche Situationen unübersichtlich und unentwirrbar. Gewiss, manche Konflikte beschädigen alle Seiten, lassen die Gegner mit der Zeit ununterscheidbar wirken. Aber Krieg und Gewalt lassen sich nicht mehr auf Abstand halten. Sie rücken uns auf den Leib. Wir sind dauernd unbeteiligt beteiligt. Das ist der ethische Preis des politisch-medialen Versprechens der einen Welt.“

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