Die Europawahlen am 25.5.14 sind sehr wichtig für Europa. Vor allem, weil so viele Ressentiment-Politiker kandidieren. Einige von ihnen bekämpfen den Euro. Auch damit liegen sie falsch. Denn der Euro war von Anfang an eine gute Idee (Ulrike Herrmann, taz 28.3.14).
„Der Euro war .. kein bedauerlicher Irrtum, sondern die beste Lösung. Auf ihn wurde 25 Jahre hingearbeitet. Der Weg zum Euro begann im Jahr 1973. Damals machten die Europäer eine traumatische Erfahrung: Das Währungssystem von Bretton Woods brach endgültig zusammen.
Dieses Abkommen von 1944 sah vor, dass die beteiligten Währungen an den Dollar gekoppelt waren, der wiederum ans Gold gebunden war, und zwar zu einem Festkurs von 35 Dollar die Feinunze. Diese stabile Währungswelt endete aus vielen Gründen, aber schließlich war es der Vietnamkrieg, der den Knall auslöste: Die USA finanzierten ihre Militärintervention vor allem über die Notenpresse, sodass offenkundig wurde, dass die Golddeckung des Dollars eine reine Fiktion war.
Anfangs bedauerte niemand, dass Bretton Woods auf dem Müllhaufen der Geschichte landete. Viele Regierungen und Notenbanken fühlten sich befreit, konnte doch jetzt endlich jede Nation ihre eigene Geldpolitik betreiben. Naiv dachte man, dass sich die Devisenkurse irgendwie stabilisieren würden, sobald die Währungen dem ‚Markt‘ ausgesetzt wären. Neoliberale Vordenker wie Milton Friedman gingen sogar noch weiter und versprachen ein immenses Wirtschaftswachstum. ‚Eine freie Marktwirtschaft für Wechselkurse wird erneut ein Wirtschaftswunder hervorbringen.‘
Im Rückblick fällt auf, wie sehr die damaligen Heilserwartungen den Vorstellungen der heutigen Euro-Kritiker ähneln. Die AfD glaubt ebenfalls, dass es Deutschland am besten ginge, wenn es auf einer nationalstaatlichen Insel hocken könnte.“
Die Wechselkurse stabilisierten sich nicht. Das System der Investmentbanken und Derivate trat seine Herrschaft an. Derivate funktionieren wie eine Wette auf die Zukunft. Die Vertragspartner legen fest, welcher Kurs bei Zinsen, Währungen und Rohstoffen zu einem bestimmten Zeitpunkt gelten soll. Alle wollten sich gegen Kursschwankungen absichern. Risikofrei kassierten die Investmentbanken. Der Umsatz mit Derivaten explodierte.
Es wurde klar: „Die Europäer mussten ein eigenes Bretton Woods erfinden, wenn der kleine Kontinent nicht im Währungschaos versinken sollte. Schon 1973 wurde die ‚Währungsschlange‘ eingeführt, 1979 folgte das ‚Europäische Währungssystem‘.
Diese Mechanismen hatten allerdings zwei Nachteile. Die Notenbanken arbeiteten oft nicht genug zusammen, um Spekulationsattacken abzuwehren. Und die Bundesbank wurde allzu einflussreich, so dass es zu einem ‚DM-Imperialismus‘ kam. In der Übermacht der Bundesbank spiegelte sich die ökonomische Macht Deutschlands. Ganz Europa musste sich ihrer Geldpolitik unterwerfen, die aber bei ihren Zinsentscheidungen die anderen Länder nicht berücksichtigte – sondern allein die Lage Deutschlands beurteilte.
Der Euro ist die Antwort auf diese beiden Probleme: Spekulationsattacken kann es bei einer Einheitswährung nicht mehr geben, und in der Europäischen Zentralbank sind alle Mitgliedsländer gleichberechtigt.
Europa braucht den Euro, aber man muss ihn richtig steuern. Es war ein Fehler, dass sich spanische und irische Banken hemmungslos im Ausland verschulden konnten. Genauso falsch ist es, dass Deutschland Exportüberschüsse anhäuft – und die Einnahmen dann im Ausland verleiht. Diese Fehler lassen sich korrigieren. Wie heißt es so schön: Jede Krise ist eine Chance.“