Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und ist Professorin für Energieökonomie (SZ 28.1.14). Sie gilt als ausgewiesene Energiepolitik-Expertin.
Für Kemfert hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bisher gute Dienste geleistet. Haushaltskunden könnten heute schon entlastet werden, wenn die gesunkenen Börsenpreise für erneuerbare Energien weitergegeben würden. „Für energieintensive Unternehmen, die wirklich im internationalen Wettbewerb stehen und hohe Energiekosten haben, ist es durchaus sinnvoll, diese von erhöhten Zahlungen wie der EEG-Umlage auszunehmen.“
Für Kemfert sind noch zu viele Kohlekraftwerke am Netz. Und sie bedauert die Anbindung der Energiewende ans Wirtschaftsministerium. Ein eigenes Energieministerium wäre für sie besser gewesen.
„Die Ankopplung ans Wirtschaftsministerium birgt die Gefahr, dass vor allem die wirtschaftlichen Interessen der konventionellen Energiebetreiber Gewicht haben werden. Die Energiewende hat aber gerade zum Ziel, den Anteil konventioneller Energien zurückzuführen und den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Kann so die Energiewende wirklich gelingen?
Der Koalitionsvertrag jedenfalls zeigt zunächst nicht, dass die eigentlichen Energiewende-Ziele offensiv umgesetzt werden sollen. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll einem Ausbaukorridor folgen – was de facto eher einer
Ausbaubremse vor allem für die Windenergie an Land gleichkommt.
Dabei wäre es wichtig, dass gerade im Süden und in Mitteldeutschland mehr Windräder gebaut werden. Zudem: Trotz des Atomausstiegs-Beschlusses gibt es in Deutschland noch immer einen Überschuss im Stromangebot, da noch immer viele alte Kohlekraftwerke am Netz sind und die restlichen Atomkraftwerke erst in den kommenden zehn Jahren nach und nach vom Netz gehen. Es herrscht ein Stromüberschuss gerade im Norden, Westen und Osten Deutschlands. Nicht nur, weil immer mehr erneuerbare Energien hinzukommen, sondern weil zu wenige Kohlekraftwerke vom Netz gehen. In den Gebieten mit deutlichem Stromüberschuss wäre es sinnvoll, überschüssige Kapazitäten abzubauen.“