„Ein krasses, auf den ersten Blick nicht zu erklärendes Paradox charakterisiert die Entwicklung der US-Gesellschaft in den letzten vierzig Jahren: Es gibt riesige Fortschritte in der Bekämpfung der Ungleichheit bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, des Geschlechts, sexueller Orientierung und körperlicher Einschränkungen; zugleich aber ist die ökonomische Ungleichheit in schwindelerregendem Ausmaß gewachsen. Mit anderen Worten: Während Schwarze, Hispanics, Schwule, Lesben, Gehandicapte weniger diskriminiert werden, ist die Kluft zwischen Armen und Reichen immer größer und die ökonomische Diskriminierung zur unüberwindbaren Hürde geworden.“
Das schreibt Marco d’Eramo, Journalist in Rom und Schüler des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (taz 4./5.1.14).
„Festhalten kann man Folgendes: Zwischen 1970 und 2012 ist das Durchschnittseinkommen der ärmeren 90 Prozent der US-Bevölkerung von 33.000 auf 30.00 Dollar gesunken, während das der reicheren zehn Prozent von 137.00 auf 224.000 Dollar gestiegen ist (sich also fast verdoppelt hat).“
„Das Bild ist klar: Während in den 1970er Jahren das Durchschnittseinkommen der reichsten zehn Prozent viermal höher war als das der restlichen 90 Prozent, ist es nun achtmal höher; das des reichsten einen Prozents ist von elfmal auf 33-mal höher gestiegen, das von 0,1 Prozent von 28 auf 165-mal höher und das von 0,01 Prozent von 76- auf 729-mal höher.“
„Zum ersten Mal seit 1917 kassieren die obersten zehn Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Volkseinkommens, die reichsten 0,01 Prozent nehmen sich 4,5 Prozent des ganzen Kuchens.“
„Heute werden die Superreichen überhaupt nicht mehr gesondert besteuert.“
„Zwei andere Aspekte der neuen Ungleichheit darf man aber nicht übersehen: Die Globalisierung hat die Einkünfte für mittelqualifizierte Arbeiten stagnieren beziehungsweise sinken lassen. Die Rede ist hier gemeinhin von einer notwendigen Anpassung der Gehälter an die der wirtschaftlich aufstrebenden und konkurrierenden Nationen. Gleichzeitig sind die Gehälter der Topmanager explodiert: 1970 verdiente ein CEO 39-mal so viel wie der Durchschnittsbeschäftigte. Schon 1999 verdiente er das 1.045-Fache; und heute bekommen die Top-CEOs im Durchschnitt 48,6 Millionen Dollar im Jahr, das 1.100-Fache des Durchschnittseinkommens.“
Eine solche soziale Ungerechtigkeit kommt für uns in Europa auf gar keinen Fall in Frage.