Was die deutschen Hochschulen neben vielem anderen kennzeichnet, ist die Finanznot. Daher benötigen die Universitäten für „Welcome Centres“ z.B. zusätzliches Geld. Das geben als Sponsoren häufig Unternehmen. Sie stiften auch Professuren. BMW etwa stellt den Hochschulen nicht nur Personen zur Verfügung, sondern auch Fahrzeuge, Motoren und Messgeräte. Und erwartet dann wohl Ergebnisse, die der Firma in den Kram passen. 12.110 Lehrbeauftragte sandte die Industrie 2013 in deutsche Hochschulen (Marion Schmidt, „Die Zeit“ 10.12.13).
Fördern die Unternehmen nur das, was ihnen nutzt? Bezieht sich der von ihnen geforderte „Praxisbezug“ auf ihre Banken, Kanzleien, Autozulieferer und Softwareschmieden? Tatsächlich könnte die Entwicklung auf die Dauer dazu führen, dass das gefördert wird, was der Industrie die Absolventen bringt, die sie sich wünscht. Z.B. in den viel genannten
Mint-Fächern:
Mathematik,
Informatik,
Naturwissenschaften,
Technik.
Dort wird bekanntlich nicht allzu viel gesellschaftliches Reflektionswissen vermittelt. Das wollen die Unternehmen gar nicht.
Die USA sind hier schon weiter (Wolfgang Kemp, SZ 4./5./6.1.14). Während in Deutschland die Idee gescheitert ist, die Studenten an der Finanzierung ihres Studiums zu beteiligen, stiegen die durchschnittlichen jährlichen Studiengebühren dort auf 47.00 Euro. Die Kommerzialisierung der US-Hochschulen kennt fast keine Grenzen. Präsidenten, Kanzler und Dekane erhalten als „Kompensation“ Millionengehälter. Sie agieren „entrepreneurial“, sind also der Wirtschaft zu Diensten. Die Bürokratie wächst und herrscht. Die Professoren werden entmachtet. Halb im Spaß werden dort „Lumpen-Professoren“ (i.d.R. Lehrbeauftragte) und „Star-Professoren“ unterschieden. Ganz oben stehen die „globalen Professoren“ wie Slavoj Zizek, die ihre Gemeinplätze dann weltweit verbreiten.
Thomas Frank hat einen „Acadamy Fight Song“ erdichtet. In ihm heißt es. „Wir sind die Generation, die gaffend dabeistand, als eine Handvoll von Parasiten und Milliardären das Hochschulwesen zu ihrem eigenen Nutzen zerschlug.“ Ein an den Unis gängiger Witz: „Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Star-Professor? Gott ist überall. Also auch hier. Der Star-Professor ist ebenfalls überall, aber niemals hier.“
Aus den USA kommt nicht nur die NSA, sondern vielfach auch sonst nichts Gutes. Wir dürfen es uns nicht als Vorbild nehmen. Der Trend geht allerdings in die gleiche Richtung wie in den USA. Die Ludwig-Maximilians-Universität München, die in Deutschland als führend angesehen wird, hat mittlerweile fast genau so viel Verwaltungspersonal wie Professoren.