336: Auf die Lehrer kommt es an.

Der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie wurde 2008 mit seinem Buch „Visible Learning“ sehr berühmt. Seither gilt er als einer der wichtigsten Bildungswissenschaftler der Welt (Martin Spiewack, Die Zeit 3.1.13). Statistisch hat er 800 Metaanalysen mit 50.000 Einzeluntersuchungen und 250 Millionen Schülern ausgewertet. Dadurch kommt er zu dem Ergebnis, dass für den Lernerfolg nicht in erster Linie die Schulformen, die Klassengröße, die finanzielle Ausstattung der Schule, die Schulstruktur und Systemfragen entscheidend sind, sondern die Lehrerinnen und Lehrer. Was sich banal anhört, ist bei Hattie gut recherchiert und widerspricht doch vielen Annahmen, mit denen in Deutschland häufig Misserfolge beim Lernen erklärt werden sollen. Hattie hat für seine große Studie anderthalb Jahrzehnte benötigt.

Und wenn wir uns einen Moment vor Augen führen, dass der ehemalige Bundeskanzler Schröder in seinem Amt von den Lehrern als „faulen Säcken“ gesprochen hat, dann erschließt sich uns die Dimension der Thesen Hatties. Schröder verkörpert nun nicht gerade den Typ des Bildungsbürgers, hatte aber damals großen Einfluss auf die SPD-Bildungspolitik. Die kommt uns ja heute in der Gestalt von Andrea Nahles wieder entgegen („Jeder Schüler hat den Anspruch auf einen Hauptschulabschluss.“).

Alle Daten Hatties belegen, dass sich die größten Unterschiede im Lernzuwachs nicht zwischen Schulen zeigen, sondern zwischen Klassen. Also zwischen Lehrern. Was Schüler lernen, bestimmt der einzelne Pädagoge. Hattie widerspricht allen Bestrebungen, Lehrer im Unterricht zu marginalisieren. Für unverzichtbar hält er eine geordnete emotionale Seite des Lernens. Ohne Respekt und Wertschätzung, Fürsorge und Vertrauen kann Unterricht nicht gelingen. In der Schule sollte es zuerst um Leistung gehen. Noten sind egal. Sitzenbleiben schadet. Frontalunterricht funktioniert, aber nur, wenn der Lehrer nicht zu viel selber redet. Lehrer müssen die Perspektive ihrer Schüler einnehmen. Sie sollen ihnen ausreichend Feedback geben.

Zwei Faktoren sind es hauptsächlich, die guten Unterricht auszeichnen:

1. stringente Klassenführung („classroom management“). Der Lehrer muss schnell erkennen, wann er auf einen Störung mit Strenge und wann mit Humor reagiert.

2. „teacher clarity“. Die Schüler müssen verstehen, was der Lehrer von ihnen will („Mir war klar, was ich in dieser Stunde lernen sollte.“).

Und dann ist da noch ein Gedanke Hatties, den ich für zentral halte: Neben den guten Lehrern gibt es auch schlechte. Es wäre gewiss gut, sie zu erkennen und möglichst davon abzuhalten, den Schülern zu schaden. Alle Arten von Zynikern und solche, die Lehrer geworden sind, weil ihnen nichts Besseres eingefallen ist, sind in der Schule fehl am Platze.

Dass die Pädagogik dies erkennt, bezweifle ich.

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