2296: „Katastrophe für das Ansehen der Polizei“

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat bekanntgegeben. dass im Fall des schweren Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz Lügde seit dem 30. Januar 2019 Beweismaterial fehlt. Es war bei der Kreispolizeibehörde Lippe eingelagert. Reul spricht von einem „Desaster“, einem „Polizeiskandal“ und „Polizeiversagen“. Es fehlen ein Koffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern. Von denen seien erste drei ausgewertet worden. Reul wollte Vorsatz nicht ausschließen.

Bei den drei Tatverdächtigen, die sich in U-Haft befinden, waren etwa 15 Terabyte kinderpornografisches Material sichergestellt worden. Gegen drei weitere Tatverdächtige wird derzeit wegen Datenlöschung und Beihilfe ermittelt. Inzwischen sind von Herbert Reul vier Sonderermittler nach Detmold geschickt worden, um den Vorgang aufzuklären.

Es ist nicht der erste schwere Fehler der Behörden. Schon 2016 gab es bei der Polizei Hinweise auf den Hauptverdächtigen, einen 56-jährigen Dauercamper. Die Polizei hätte die Hinweise auf sexuellen Missbrauch zwar an das zuständige Jugendamt weitergeleitet, aber nicht, wie vorgeschrieben, an die Staatsanwaltschaft. Gegen einen mittlerweile pensionierten Polizisten und eine Polizistin wird wegen Strafvereitelung ermittelt. Es wird untersucht, ob die Beiden die drei Tatverdächtigen kannten. Das Jugendamt Hameln-Pyrmont, das 2017 dem Hauptverdächtigen eine Pflegetochter zugesprochen hatte, hat eingeräumt, dass ein Mitarbeiter nachträglich die Jugendamtsakte des Mädchens manipuliert hat. Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer „Katastrophe für das Ansehen der Polizei“ (Jana Stegemann, SZ 22.2.19).

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