Rudolf Augstein (1923-2002) war als Begründer des „Spiegels“, Haupteigentümer und lebenslänglicher Herausgeber der herausragende Publizist der Bundesrepublik Deutschland etwa bis zur Vereinigung Deutschlands. Legendär sein Kampf gegen Konrad Adenauers Politik der Westintegration und sein Einsatz für die deutsche Einheit, als das linksliberale Milieu diese bereits aufgegeben hatte. Sein Leben ist gut erforscht und dokumentiert:
Ulrich Grewe: Augstein. Ein gewisses Doppelleben. Berlin 1994; Dieter Just: Der Spiegel. Arbeitsweise, Inhalt, Wirkung. Hannover 1967; Dieter Schröder: Rudolf Augstein. München 2004; Peter Merseburger: Rudolf Augstein. Der Mann, der den Spiegel machte. München 2007; Irma Nelles: Der Herausgeber. Erinnerungen an Rudolf Augstein. Berlin 2015.
Als Augsteins Sohn Jakob Augstein 2017 gemeinsam mit Martin Walser „Das Leben wortwörtlich. Ein Gespräch“ (Reinbek bei Hamburg) erscheinen ließ, war dies der Reflex auf die Tatsache, dass Jakob Augstein 2009 bekanntgemacht hatte, dass er der Sohn von Martin Walser und Augsteins dritter Frau, der John Updike-Übersetzerin Maria Carlsson, war. Das hatte seinerzeit im Feuilleton ziemlichen Wirbel verursacht. Der Journalist Jakob Augstein kaufte 2008 die Wochenzeitung „Der Freitag“ und ist seit 2013 Chefredakteur und Kolumnist bei „Spiegel Online“. Manche seiner israelkritischen Kommentare gelten als antisemitisch.
Nun hat Rudolf Augsteins vierte Ehefrau (Augstein war fünf mal verheiratet), Gisela Stelly, eine Filmemacherin, in den „Keitumer Gesprächen“ Anstoß daran genommen, dass Jakob Augstein von Rudolf Augstein zum alleinvertretungsberechtigten Testamentsvollstrecker in der Gesellschafterversammlung des „Spiegels“ ernannt worden war. Sie hält ihn als 1967 Geborenen (vor der Ehe von Rudolf Augstein und Maria Carlsson 1968-1970) für nicht erbberechtigt. Im Spiel sind noch die Augstein-Töchter Maria Sabine (geb. 1949) und Franziska (geb. 1964) und der Sohn Julian (geb. 1973). Im „Stern“ (5.7.18) wird Gisela Stelly, die Mutter von Julian, von den Interviewern Ulrike Posche und Kai Hermann befragt:
Stern: Haben Sie vor, den Fall noch einmal juristisch aufzurollen?
Stelly: Durch meine Recherchen und das kürzlich erschienene Buch von Martin Walser und seinem Sohn Jakob haben sich Aspekte gezeigt, die geklärt werden müssen.
…
Stern: Und was heißt das für Sie?
Stelly: Ich habe die Schlacht verloren, weil Wahrheit wehtut, und sie gewonnen, weil Wahrheit befreit. Der Wirrwarr könnte sich also auflösen.
Kommentar W.S.: Na, dann mal immer drauf los!