1830: Adriano Celentano 80

Wer in und mit seiner Jugend Glück hat, der kommt zum Tanzen. So war es auch bei mir. Ich tanzte ziemlich begeistert zu Rockmusik, tanzbarem Rock. Und wir kümmerten uns nicht um die Auslegungen der Rock-Gurus, die vor lauter Verklemmtheit gewiss nicht tanzten, oder die unsäglichen falschen Analysen von Bob Dylan. Sondern wir tanzten. Dabei konnte man mit Frauen zusammen sein (heute ist das vielleicht anders). JuSo-Freunde nannten mich manchmal „Tanzbär“.

Dabei erklang bei den Festen, die bei uns gefeiert wurden, sehr häufig ein „Schlager“, der mir nicht aus dem Ohr ging und bis heute nicht gegangen ist:

„Una festa sui prati“

von Adriano Celentano. Um den Sänger kümmerten wir uns nicht allzu sehr. Er war der „ragazzo del sud“ (seine Eltern waren als Arbeitsmigranten zugewandert aus Apulien), lässig, italienisch, mit interessanter Reibestimme. In seinem Styling ging er bis an die Grenzen der Geschmacklosigkeit. Sein erfolgreichster und bekanntester Hit „Azzurro“ (1968) (die heimliche italienische Nationalhymne), geschrieben von Paolo Conte, bracht ihm den Spitznamen „Il Mollegiato“ (der Federnde) ein. Er ist in Mailand geboren und Inter-Fan, was wir lange nicht wussten und dann kaum glauben konnten.

Celentano, der seit 1964 mit Claudia Mori verheiratet ist, hat bis heute ca. 200 Millionen Platten verkauft. Er verkörpert Italo-Coolness und arbeitet seit langem nicht nur als Sänger, sondern auch als Schauspieler (40 Filme) und Fernsehmoderator. Seinen Start hatte er in Federico Fellinis „La dolce vita“ (1959), in dem er sich selber spielte. Er ist der „Junge von nebenan“ geblieben, mit dem wir einen Capuccino trinken würden. Nun ist er 80 Jahre alt geworden (Marc Reichwein, Die Welt 6.1.18; Andreas Rossmann, FAZ 6.1.18)

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