Zu einer Kindheit in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in der vorgelesen und gelesen wurde, gehörten wie selbstverständlich Figuren wie
Pole Poppenspäler und Hauke Haien.
Sie stammten von
Theodor Storm (1817-1888).
Er steht wohl für einen norddeutsch gefärbten „bürgerlichen Realismus“ und war keineswegs so unbedeutend, dass es gerechtfertigt wäre, seinen 200. Geburtstag zu übergehen (ich finde nämlich wenig über ihn in der Presse).
Storm stammte aus Husum und schrieb schon als 15-jähriger Schüler Gedichte, die in Zeitungen veröffentlicht wurden. Er studierte Jura in Kiel und Berlin, wo er zeitweilig in einer Wohngemeinschaft mit dem Historiker und Literaturnobelpreisträger Theodor Mommsen (1817-1903) und dessen Bruder Tycho lebte. Mit ihnen gab Storm eine Sammlung schleswig-holsteinischer Lieder, Märchen und Sagen heraus. Storm hatte ein Faible für sehr junge Damen, was ihm heute Überlegungen über Pädophilie einträgt. 1846 heiratete er. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Storm arbeitete als Jurist, überwiegend als Amtsrichter. So von 1856 bis 1864 in unserer Nähe, in Heiligenstadt/Thüringen. Dort gibt es heute das Literaturmuseum „Theodor Storm“ und am Eingang der Fußgängerzone eine Bronzestatue Storms in Originalgröße. Danach ging Storm wieder in seine nordfriesische Heimat zurück.
Als Liberaler fühlte sich Storm im Milieu preußisch Konservativer und Juristen nicht immer wohl. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er 1866 zum zweiten Mal. 1870 kam der damals 15-jährige Ferdinand Tönnies als Korrekturleser zu Storm und wurde sein Freund. Tönnies (1855-1936) gehört zu den Mitbegründern der Soziologie in Deutschland.
1849 veröffentlichte Storm das Märchen „Der keine Häwelmann“. Er hatte schon vorher Gedichte publiziert. 1852 erschien „Die Stadt“ („Am grauen Strand, am grauen Meer/ Und weitab liegt die Stadt;/ Der Nebel drückt die Dächer schwer/Und durch die Stille braust das Meer/Eintönig um die Stadt. …“ Wir kennen von ihm Adventsgedichte: „Von drauß‘ vom Walde komm ich her; …“ Das ist heute möglicherweise alles vergessen. 1849 erschien die Novelle „Immensee“, die 1943 von Veit Harlan verfilmt wurde (mit Kristina Söderbaum, Carl Raddatz, Paul Klinger, Malte Jäger), 1874 „Pole Poppenspäler“. Theodor Storms in seinem Todesjahr 1888 veröffentlichte Novelle „Der Schimmelreiter“ über den Deichgrafen Hauke Haien ist sein berühmtestes Werk.