426: Willi Sitte ist gestorben.

Im Alter von 92 Jahren ist Willi Sitte in Halle gestorben (Stephan Speicher, SZ 10.6.13). Mit Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke gehörte er zur sogenannten „Viererbande“ der bildenden Kunst der DDR. Auch im Westen viel ausgestellt und hoch bewertet. Bis 1989. Dann wurden Ausstellungen von Sitte abgesagt (z.B. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 2001). Willi Sitte bekam ein eigenes Museum (in Merseburg), so dass er überhaupt noch so, wie er es selbst wünschte, ausgestellt werden konnte.

Denn Willi Sitte galt zu Recht als Vertreter der DDR-Kunst. Von 1974 bis 1988 war er Präsident des Verbandes Bildender Künstler. In den achtziger Jahren empfahl er im Verband die Zusammenarbeit mit der Stasi. Sitte war Volkskammerabgeordneter und zuletzt Mitglied des ZK der SED. 1974 erhielt er den Karl-Marx-Orden, 1976 malte er das große Wandbild im Palast der Republik. Seine guten Kontakte in der DDR-Nomenklatura nutzte Willi Sitte auch, um sich für politisch gefährdete Künstler einzusetzen. Das berüchtigte Dilemma des großen Künstlers in einer Diktatur. Sitte war überzeugter Kommunist. Er desertierte am Ende des Zweiten Weltkriegs in Italien aus der Reichswehrmacht und schloss sich den Partisanen an.

Willi Sittes Kunst stand stark unter dem Einfluss Picassos. Auch Fernand Léger und Juan Miro haben ihn geprägt. Er malte nicht nur abstrakt. Seine Figuren zeigten gern eine volle, durchgearbeitete Körperlichkeit. Er malte nicht nur die Schwere der Industriearbeit und das Selbstbewusstsein der Arbeiter, er wagte sich auch ins erotische Sujet, in dem seine Körper besonders zur Geltung kamen. Mit seiner ausgeprägten Plastizität sorgte Sitte dafür, dass es zum Begriff des „sozialistischen Barock“ kam. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der „Viererbande“ blieb Sitte stets Optimist, ein Parteigänger nicht nur des Kommunismus, sondern des Daseins. Er war nicht allein mit der DDR einverstanden, sondern in seiner vitalistischen Malweise mit dem Leben überhaupt.

Wenn er nicht auf der politisch falschen Seite gestanden hätte, könnten wir ihn wahrscheinlich besser würdigen und als großen Maler anerkennen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.