Weder im Prozess gegen Beate Tschäpe in München, in dem es um ihre Beteiligung an den 10 NSU-Morden geht, noch in den einschlägigen Landtags-Untersuchungsausschüssen ist das Leid der Hinterbliebenen der NSU-Opfer in den Blick genommen worden. Unbeantwortet ist immer noch die Frage,
ob deutsche Behörden (etwa Landesverfassungsschutzämter) mit den Mördern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sympathisiert und sie unterstützt haben.
Dieser „Kristallisationspunkt strukturellen Rassismus“ ist noch unaufgeklärt. Jetzt hat im Schauspiel in Köln ein fünftägiges Tribunal für die Opferangehörigen und ihre Forderungen stattgefunden.
Konrad Litschko (taz 17.5.17) hat dazu Ibrahim Arslan, 32, befragt. Als Siebenjähriger war er 1992 Zeuge, wie ein Anschlag auf das Haus seiner Familie verübt wurde. Dabei kamen seine Oma, seine Schwester und eine Cousine ums Leben. Arslan sagt zu den Wünschen der Hinterbliebenen:
„Sie wollen eine lückenlose Aufklärung der Morde. Sie wollen, dass die Hintermänner des NSU bekannt werden, die Nazis, die dem Trio das Geld und die Waffen besorgt haben. Sie wollen, dass die Polizisten zur Verantwortung gezogen werden, die die Ermittlungen in die falsche Richtung gelenkt haben. Und es gibt noch eine zweite Tat: Wie diese Gesellschaft mit den Morden umgeht. Wie sie die Betroffenen behandelt, wie die Polizei sie befragt. Dass hier einiges schief lief, darüber reden wir auch nicht. Dabei ist das für mich die schlimmere Tat. Den Mord, den kannst du nicht ungeschehen machen. Aber wenn du die Opfer danach auch noch schlecht behandelst, macht das die Menschen endgültig kaputt.“