Jack Nicholson wird 80 Jahre alt. Und wer einen solchen fast unfassbar großen Schauspieler aus diesem Anlass treffend charakterisieren will, der muss dafür ein großer und kenntnisreicher Journalist sein. Wie Andreas Kilb (FAZ 22.4.17), wo er uns beschreibt, dass einer, der mit dem Kino der Siebziger, Achtziger und Neunziger aufgewachsen ist, sich nur mit Mühe eine Welt vorstellen kann, in der es Jack Nicholson nicht gibt. Von Peter Fonda und Dennis Hopper, Nicholsons Kumpels in
„Easy Rider“ (1969),
würden ein paar große Filme bleiben, „aber Nicholson hat sich in die Substanz des Mediums selbst eingeschrieben, als Typus wie als Individuum. Man muss nur seinen Namen hören, schon sieht man ihn vor sich, die gebogenen Augenbrauen, die hohe runde Stirn und vor allem der Mund, mit dem er Dinge tun konnte, die kein anderer Schauspieler fertigbrachte. Ein Mund zum Fürchten.“
Zwölfmal war Nicholson für den Oscar nominiert (Rekord bei den Schauspielern), dreimal hat er ihn bekommen. Als Hauptdarsteller in
„Einer flog über das Kuckucksnest“ von Milos Forman (1975)
und
„Besser geht’s nicht“ (1997),
als Nebendarsteller in
„Zeit der Zärtlichkeit“ (1984) (Tobias Kniebe, SZ 22./23.4.17).
Von Stanley Kubricks „Shining“ (1980) hat sich Nicholson fast nicht mehr erholt, vorher war er ein Schauspieler, jetzt ist er eine Marke. Er hat Filme produziert und Regie geführt. Im Film wie im Leben war er ein Mann, der die Frauen beeindruckte. Um nur drei von ihnen zu nennen: Susan Sarandon, Michelle Pfeiffer, Cher. 2013, nach der Oscar-Verleihung meinte er: „Ich kann in der Öffentlichkeit keine Frauen mehr angraben. Das habe ich mir nicht ausgesucht, aber es fühlt sich einfach nicht mehr richtig an.“ In George Millers
„Die Hexen von Eastwick“ (1987)
fragt Nicholson als Daryl van Horne „Sind Frauen ein Fehler Gottes?“
In „About Schmidt“ (2002) spielte Nicholson zum ersten mal einen alten Mann. Ihm stirbt die Frau, seine Tochter heiratet einen Versager. Schmidts letzter Kontakt zur Außenwelt ist sein Patenkind in Tansania, dem er Briefe schreibt. Das Patenkind schickt eine Zeichnung: ein Mann und ein Junge, Hand in Hand. Da bricht Schmidt in Tränen aus. „Vielleicht geht es im Kino nur darum, ein Bild zu finden, das uns rührt. Und ein Gesicht wie das von Jack Nicholson, durch das sich die Rührung überträgt.“
In letzter Zeit ist es ruhiger geworden um Nicholson. Für die Filme, die er machen möchte, bekommt er keine Rollen mehr angeboten. Und zu den anderen sagt er: „Ich habe nur diesen gruseligen Gedanken, dass die jüngeren Leute im Kino gar nichts mehr sehen wollen, was sie bewegt. Vielleicht wollen sie nur immer mehr Bomben und Explosionen sehen, weil sie damit aufgewachsen sind. Und diese Art Film werde ich niemals machen.“