404: Ausfahrt frei halten oder Freiheit aushalten: Ise Bosch rät uns.

Ise Bosch, 48, ist die Enkelin Robert Boschs, des erfolgreichen Unternehmers, Mäzens und Hitler-Gegners. Sie kommt also, wie sie selber sagt, aus dem „liberalen Widerstand im Südwesten“. Frau Bosch ist reich und Geschäftsführerin einer „mittelgroßen Stiftung“. Sie versteht also etwas vom Reichtum, geht mit ihren Ratschlägen, wenn sie gefragt wird, für die Gesellschaft aber viel weiter als bis zu dessen Grenzen. Malte Conradi und Kristina Läsker haben sie für die SZ interviewt (15.5.13).

SZ: Sollte man die Steuern erhöhen?

Bosch: Ja, natürlich. Bei der Vermögenssteuer ist das nicht so einfach. Sie wurde ja abgeschafft, weil sie mehr kostete, als sie einbrachte. Der bessere Hebel ist die Einkommenssteuer: Der Spitzensteuersatz sollte steigen und die Steuern auf Kapitaleinkünfte gleich mit. Ich zahle gerne mehr Steuern.

SZ: Sie zahlen zu wenig?

Bosch: Ich finde schon. Was ich seit Jahrzehnten beobachte, sind Steuergeschenke. Reiche werden nicht ordentlich belangt. Das sorgt dafür, dass sie noch reicher werden. Es wird gerade das Wirtschaftswunder vererbt. Und zwar an 50- bis 70-Jährige, die ohnehin schon gut verdienen.

SZ: Das ist doch nichts Schlechtes.

Bosch: Nein, Vermögen an sich ist gar nichts Schlechtes, die ungleiche Verteilung ist das Problem. Zugleich werden ja Einkommen aus Arbeit stärker belastet. Und glauben Sie mir: Als ehemalige freiberufliche Musikerin weiß ich gut, wie wenig viele gut ausgebildete Menschen verdienen. Die Schere geht auseinander: Wir haben zu wenig Durchlässigkeit in der Gesellschaft. … Als Reiche hat man keinen Grund zu jammern – dabei hat man so verdammt viele Entscheidungen zu fällen.

Diese Freiheit muss man aushalten.

An meiner Garagentür hängt ein Schild: Freiheit aushalten. Die meisten denken, es heißt Ausfahrt frei halten.

SZ: Aber wie entscheiden Sie sich persönlich für bestimmte Themen?

Bosch: Das kommt aus meiner Erfahrung: Ich habe eine solide lesbische Sozialisierung, 15 Jahre war ich in Frauenbeziehungen. Jetzt bin ich seit zehn Jahren glücklich mit einem Mann zusammen. Aber ich bin eine politische Lesbe geblieben. Daher mein Engagement für Geschlechterthemen. Das fing schon mit Mitte zwanzig an, als ich zum Studium in den USA war.

SZ: Gönnen Sie sich keinen Luxus?

Bosch: Klar. Ich habe Musik studiert. Ich wusste, ich muss damit kein Geld verdienen – das war Luxus. Ich habe ein schönes ausgeglichenes Leben, keinen komplizierten Luxus. Von meinen Eltern habe ich gelernt, dass es besser ist, weniger zu verbrauchen. Und ich habe keine Kinder. Da fällt es leichter, Geld wegzugeben.

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