Feridun Zaimoglu gilt vielen als der profilierteste deutsche Schriftsteller mit Migrationshintergrund. Sein neues Buch „Der Mietmaler“ ist gerade erschienen. Zaimoglu hat Medizin studiert, auch ein wenig Malerei. Ulrich Wickert hat ihn für die „Literarische Welt“ interviewt (6.4.13).
LW: Wie sind Sie zum Malen gekommen? Sie haben es ein bisschen studiert.
Zaimoglu: Und bin zweimal von der Akademie geflogen. Aber ich kann keine Heldengeschichte vom unverstandenen Künstler erzählen. Es lag daran, dass ich als Fliegengewicht geglaubt habe, die Kunst neu erfinden zu müssen. Ich entsprach dem Wunsch meiner Eltern und studierte Medizin, aber eigentlich wollte ich immer malen. Es war nie mein Wunsch, Schriftsteller zu werden. Ich habe auch immer wieder nebenbei zur Entgiftung gemalt. Viele Termine auf der Buchmesse, man kommt nach Hause und möchte entspannen. Man entkorkt die Weinflasche, und ich male dann eben. Vor drei Jahren, nachdem ich eine Beziehung vor die Wand fuhr, explodierte das mit der Malerei noch mehr.
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LW: Liebe muss ja nicht nur einer Frau gelten. Lieben Sie ihre deutsche Heimat?
Zaimoglu: Brennend, glühend, ja. Ich habe vor ein paar Tagen einem Kumpel gesagt: Wenn die Leute da draußen wüssten, wie sehr ich diese, meine deutsche Heimat liebe, würde man mich mit Blaulicht abholen. Aber es ist so. Ich schwärme für dieses, mein Land. Sie müssen sich vorstellen, ich bin jetzt 48. Seit 44 Jahren lebe ich in Deutschland. Wenn ich im Ausland bin, besteht seltsamerweise für die Leute, die mich einladen, überhaupt kein Zweifel, dass ich deutsch bin. Dann frage ich, woran sie das sehen. Und sie sagen, es sei eine bestimmte Art, auf die Welt zu gucken, sich auszudrücken, zu schreiben. Und wenn diese Leute mir das sagen, grinse ich von einem Ohr zum anderen, gut gelaunt.
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LW: Empfinden Sie sich als Muslim?
Zaimoglu: Ich bin nicht religiös als Moslem, wie das ein Christ sagen würde, im Sinne des Kinderglaubens, dass es einen guten Gott gibt, dass es Gut und Böse gibt und dass nicht alles aufhört, wenn man stirbt. Das Religiöse ist mir fremd, weil es auch immer mit Lebensferne oder Lebensverneinung zu tun hat. Daher würde ich sagen: Ich bin Moslem in dem Sinne, dass ich an Gott glaube, aber nicht mehr.
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