In der Rubrik „Buch des Jahres“ der SZ (27.12.16) äußert sich der Intendant der Münchener Kammerspiele Matthias Lilienthal über Dider Eribons „Zurück nach Reims“:
„Didier Eribons ‚Zurück nach Reims‘ (Suhrkamp) hat mich ganz persönlich getroffen, weil es erzählt, wie jemand aus proletarischen Verhältnissen sich erst nach dem Tod seines Vaters mit seiner Herkunft auseinandersetzt. Eribons Verleugnung seiner proletarischen Herkunft erinnerte mich an mich selbst. Ich komme zwar aus dem Mittelstand, bin aber auf einem Gaswerk in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Als ich 19 wurde, habe ich mich schnell aus der Gropiusstadt nach Charlottenburg bewegt. Eribon beschreibt genau, wie der ehemals kommunistischen Arbeiterschaft nach dem Kaputtgehen der Industrie nicht nur ihre finanzielle Basis genommen wurde, sondern auch ihre Würde. Das erinnert mich an Berliner Parteiversammlungen der SPD. Nach der Lektüre habe ich mich gefragt, warum ich das Bild des Zigarre rauchenden Gerhard Schröder damals nicht richtig interpretiert habe. Dieses Buch nimmt den Wahlsieg von Donald Trump vorweg, und wenn man die Lehren aus ihm nicht zieht, wird man sich der Diskussion mit der AfD nicht stellen können. Es beschreibt aber auch, warum wir manchmal mit unseren Eltern hätten anders umgehen können.“
Ich habe das Buch zu Weihnachten von meinem Sohn bekommen und es schon gelesen.