1304: Hermann Kant ist tot.

Hermann Kant ist tot. Anlässlich seines 90. Geburtstags hatte ich hier am 14.6.16 unter 1259 über sein Schriftstellerleben geschrieben. Er bleibt uns in Erinnerung als

„zwiespältige Figur“.

Er war einmal ein Schriftsteller von „großer Härte, Helligkeit und höhnisch-heiterer Ironie“ und zum zweiten ZK-Mitglied, Präsident des Schriftstellerverbands der DDR und Zuträger der Staatssicherheit. Darin war er ganz entschieden. Als Schriftsteller wurde er u.a. gelobt von Marcel Reich-Ranicki.

Hermann Kant ist nicht nur zu verstehen als SED-Funktionär. Denn er hat Schriftstellern wie Erich Loest in mühsamen Querelen mit der Kultusbürokratie auch zu Druckerlaubnissen verholfen. Das hat in seiner „Akte Kant“ 1995 sogar der „unnachsichtigste aller Stasi-Jäger“, Karl Corino, eingeräumt.

„Hermann Kant, 1926 in Hamburg geboren und jetzt in Neustrelitz gestorben, wird ohne Frage in den Dichterhimmel aufsteigen, in dem, ungeachtet ihrer irdischen Lügen und Charaktermängel, die deutschen Ironiker seit je die Nachwelt mit ihren halsbrecherischen Späßen und abgründigen Melancholien unterhalten. Auch der sozialistische Mensch ist nur ein Gleichnis – eine Spielform des universalen Scheiterns, das allein Kunst uns erträglich macht.“ (Jens Jessen, Die Zeit 18.8.16)

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